Hirnforschung für ein gesundes Leben

Die Altersverteilung der Bevölkerung in Deutschland – und in vielen anderen Ländern – wird sich in den kommenden Jahrzehnten grundlegend verändern: die Zahl junger Menschen sinkt, die der älteren wächst. Infolge dieses „demographischen Wandels“ wird die Häufigkeit von Demenzerkrankungen weiter zunehmen, denn das Risiko für Demenz steigt mit dem Alter. Im Jahr 2018 gab es hierzulande nach Schätzungen rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenz. Bis 2050 könnte sich deren Zahl voraussichtlich auf ca. 2,8 Millionen vergrößern1). Die Weltgesundheitsorganisation WHO rechnet Demenz zu zehn häufigsten Todesursachen weltweit2).

Volkserkrankungen

Aufgrund ihrer weiten Verbreitung zählt Demenz zu den Volkskrankheiten. Der Umgang mit diesem geistigen Verfall ist eine große gesellschaftliche Herausforderung und ein Kraftakt für viele Familien, denn Menschen mit Demenz werden zumeist von Angehörigen versorgt3) – auch die Kosten sind enorm: Im Jahr 2016 betrugen sie für Deutschland nach Berechnungen des DZNE rund 73 Milliarden Euro – Tendenz steigend4). Kern des Problems: Es gibt derzeit keine Therapien, die das Absterben von Nervenzellen aufhalten oder auch nur verlangsamen könnten. Und das gilt nicht nur für Demenzerkrankungen - darunter Alzheimer - , sondern auch für andere Hirnerkrankungen wie zum Beispiel Parkinson. Gleichzeitig deutet die Forschung darauf hin, dass die Weichen für ein gesundes Altern viele Jahre oder gar Jahrzehnte vorher gelegt werden. Studien zufolge könnten weltweit rund 40 Prozent der Demenzerkrankungen vermeidbar sein - durch Lebensgewohnheiten und medizinische Maßnahmen, die Risikofaktoren berücksichtigen5). Die Potentiale der Prävention (Vorsorge) sind enorm und noch lange nicht ausgeschöpft.

Zehn Standorte

Vor diesem Hintergrund wurde 2009 das DZNE als Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft und als erstes der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) gegründet. Es umfasst heute zehn Standorte – Berlin, Bonn, Dresden, Göttingen, Magdeburg, München, Rostock/Greifswald, Tübingen, Ulm und Witten – und bündelt damit bundesweit verteilte Expertise innerhalb einer einzigen Forschungseinrichtung. Mehr als 1.100 Fachleute arbeiten daran, die Ursachen von Erkrankungen des Gehirns- und Nervensystems zu verstehen und neue Ansätze für eine wirksame Prävention, Therapie und Patientenversorgung zu finden. Weltweit zählt das DZNE zu den größten Forschungseinrichtungen, die sich mit dieser Thematik befassen. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und von den Bundesländern, in denen die Standorte des DZNE angesiedelt sind**).

Schwindende Nervenzellen

Gemeinsames Merkmal der vom DZNE erforschten Erkrankungen ist die „Neurodegeneration“: ein krankhafter Prozess, der die Nervenzellen beschädigt und absterben lässt. Je nachdem, welcher Bereich des Nervensystems betroffen ist, kann Neurodegeneration zu Demenz führen, Bewegungsstörungen auslösen oder die Gesundheit auch in anderer Weise massiv beeinträchtigen. Beispiele dafür sind Alzheimer, Frontotemporale Demenz, Kinderdemenz, Parkinson, Chorea Huntington, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Spinozerebelläre Ataxie und Altersbedingte Makuladegeneration.

Für die Praxis

Uns treibt an, neurodegenerative Erkrankungen zu verhindern und die Lebensqualität von Betroffenen entscheidend zu verbessern. Das DZNE widmet sich daher allen Aspekten neurodegenerativer Erkrankungen – von den biologischen Mechanismen bis hin zur Pflege und Patientenversorgung. Um diese Vielfalt abzudecken, verfolgen wir eine interdisziplinäre wissenschaftliche Strategie, die mehrere miteinander vernetzte Forschungsbereiche umfasst. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DZNE arbeiten fach- und standortübergreifend zusammen, damit neue Erkenntnisse zügig in die Anwendung gelangen. Dieser Brückenschlag von der Wissenschaft in die Praxis wird „Translation“ genannt. Das DZNE kooperiert dabei mit Universitäten, Universitätskliniken, Forschungseinrichtungen und innovativen Unternehmen – hierzulande und weltweit.

** Der Freistaat Sachsen bittet um folgenden Hinweis: "Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes."

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