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Hirn und Heinrich - Staffel 2

Episode 24: Langzeitstudie - Gesundheit im Blick, Gehirn im Fokus

Die Demenz nicht akzeptieren, sondern Antworten finden, das macht die Forschung so wichtig, sagt Prof. Dr. Dr. Monique Breteler. Sie ist Direktorin für Populationsbezogene Gesundheitsforschung am DZNE und Leiterin der Rheinland Studie. Bei dieser Bevölkerungsstudie werden bis zu 20.000 Erwachsene aus Bonn über Jahrzehnte begleitet, um Schutz- und Risikofaktoren zu erforschen, die die Gesundheit bis ins hohe Alter beeinflussen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Gehirn und seinem Wandel im Laufe des Lebens. In ihrer Forschung geht es Breteler darum, eine Langzeitlösung zu finden, vorauszuschauen und vorzubeugen. „Wir wollen nicht die Krankheit bekämpfen, sondern die Gesundheit erhalten“, sagt sie im Gespräch mit Moderatorin Sabine Heinrich. „Wir suchen nach Mustern: Was macht krank und was hält gesund?“

Über die ersten Erkenntnisse der Studie, die seit 2016 läuft, berichtet die niederländische Neuro-Epidemiologin im Podcast. Zudem erklärt sie, was Populationsforschung ist und wer alles bei der Rheinland Studie mitmachen kann. Wer außerdem wissen möchte, was personalisierte Medizin ist und warum Prof. Dr. Dr. Monique Breteler für Sabine Heinrich ein „role model“ ist, sollte diese Podcast-Folge nicht verpassen.

Erstausstrahlung: 01.07.2022

Episode 23: Das StattHaus Offenbach - Leben in der Demenz-WG

„Niemand sagt hier, warum kannst du das nicht“, erzählt Dr. Katja Bär, Vorstand der Hans und Ilse Breuer-Stiftung. Mit
„hier“ meint sie das StattHaus Offenbach, ein Demenzzentrum, das 2015 von der Stiftung eröffnet wurde. „Wir möchten zeigen, dass die Demenz ein Teil des Lebens ist und dass man damit zunächst noch wunderbar am Leben teilhaben kann“, so Bär im Gespräch mit Sabine Heinrich. 

Das StattHaus ist eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene und ihre Familien. Es bietet ein Café, das jedem als Begegnungsstätte offen steht, eine Tagesbetreuung, Beratung und Information sowie eine Demenz-WG. Die Angehörigen sind an der Gestaltung der Wohngemeinschaft beteiligt und in das Alltagsleben mit eingebunden. Im Podcast betont Katja Bär, dass vor allem Gesunde den Umgang mit Demenz lernen sollten. Gleichzeitig appelliert sie an Angehörige von Betroffenen, sich frühzeitig Hilfe zu holen. 

„Jeder sollte sich mit Demenz befassen“, so Bär. Das gilt auch für den Bereich der Prävention. Außerdem spricht Katja Bär mit Sabine Heinrich über das neue Modellprojekt „MyCareNet“, das sich an jüngere Demenzkranke richtet, und über eine sehr schöne Liebesgeschichte von zwei Menschen, die an Demenz erkrankt sind.

Erstausstrahlung: 01.06.2022

Episode 22: Demenzforschung mit Big Data und Schwarm-Intelligenz

„Die großen Fragen können wir nicht als einzelne Forscher beantworten“, sagt der Immunologe und Genomforscher Prof. Joachim Schultze. Im Gespräch mit Sabine Heinrich erklärt der Direktor für Systemmedizin am DZNE warum die Verknüpfung und Interaktion mit anderen Forschern so wichtig ist und welche Rolle dabei „Big Data“ und Künstliche Intelligenz (KI) spielen. 

Das von ihm mitentwickelte „Swarm-Learning“ (Schwarm-Lernen) ermöglicht es, unter Anwendung künstlicher Intelligenz große Mengen medizinischer Daten zu analysieren und auszuwerten. Ziel ist es, Muster zu erkennen und daraus die entsprechende Diagnostik und Therapie zu entwickeln. Im Podcast erklärt der Forscher, warum man keine Angst vor Künstlicher Intelligenz oder Big Data haben muss und warum Ärzte niemals überflüssig werden. Ein zukunftsweisendes Thema, das Hoffnung macht.

Erstausstrahlung: 01.05.2022

Episode 21: trotzDEM stark - Leben mit der Lewy-Körper-Demenz

„Mit uns und nicht über uns“ lautet das Motto der Demenzaktivistin Helga Rohra. Vor 13 Jahren erhielt sie mit nur 54 Jahren die Diagnose Lewy-Körper-Demenz. Nach der ersten Verzweiflung beschloss sie, die Krankheit in ihr Leben zu „integrieren“: Ja zum Leben, trotzDEM! 

Seitdem setzt sie sich mit aller Kraft auf der ganzen Welt für die Interessen von Demenz-Patienten ein. Helga Rohra war unter anderem die erste Betroffene im Vorstand einer Alzheimer Gesellschaft und ist heute Mitglied im Patientenbeirat des DZNE. Ihr Fokus liegt vor allem auf jungen Patientinnen und Patienten zwischen 30 und 64 Jahren, das sind in Deutschland rund 73.000. 

Im Gespräch mit Moderatorin Sabine Heinrich erzählt Rohra vom Beginn ihrer Erkrankung und gibt Betroffenen Ratschläge: Wichtig sei es, nicht zu verzweifeln. „Es gibt tausend Sachen, die ich nicht mehr kann, aber ich halte mich an dem fest, was ich noch kann.“ Eine faszinierende, Mut machende Frau. Oder mit den Worten von Sabine Heinrich: „Frau Rohra, Sie sind ein Ereignis!“ 

Erstausstrahlung: 01.04.2022

Episode 20: Tatort Rückenmark - Forschung an verletzten Nervenzellen

Verletzungen des Rückenmarks sind heutzutage irreparabel: Sind die Nervenfasern einmal gekappt, wachsen sie von selbst nicht wieder zusammen. Der Bonner Molekularbiologe Prof. Frank Bradke möchte mit seiner Forschung daher die Grundlagen für eine bessere Therapie schaffen und geschädigte Nervenfasern wieder zum Wachsen bringen.

Im Gespräch mit Moderatorin Sabine Heinrich erklärt der Bonner DZNE-Forscher die Funktion des Rückenmarks und warum eine Verletzung so gravierende Folgen hat. Er berichtet über aktuelle Behandlungsmöglichkeiten und wie Ausfälle zum Teil kompensiert werden können. Zuhörende erfahren auch, warum sich Frank Bradke selbst als “Fußballtrainer“ sieht und inwieweit auch die Demenzforschung von seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen profitieren kann.

Erstausstrahlung: 01.03.2022

Episode 19: Im Vergessen etwas Neues schaffen - Ein Kunst-Atelier für Menschen mit Demenz

„Als er seine Sprache verloren hatte, fing er an zu malen.“ Das erzählt die Düsseldorfer Künstlerin Corinna Bernshaus im Gespräch mit Sabine Heinrich über ihren an Demenz erkrankten Vater. Mit zunehmendem Krankheitsverlauf wird die Kommunikation schwierig bis unmöglich. Deshalb muss man neue Wege beziehungsweise eine andere Sprache finden, meint Corinna Bernshaus und setzte ihre Idee vor rund zehn Jahren auch in die Tat um. 

Sie gründete das Kunstatelier „Raum D - Atelier für Menschen mit Demenz.“ Hier treffen sich Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, um gemeinsam zu malen, mit Holz zu arbeiten oder zu töpfern. Jeder produziert etwas, das ihm Freude bereitet. Es geht vor allem um den Austausch und die Kreativität. 

Warum das Projekt von Corinna Bernshaus sogar preiswürdig ist und was ein Meisterschüler von Joseph Beuys in ihren Workshops macht, berichtet sie im Gespräch mit Moderatorin Sabine Heinrich. Zudem erfährt der Hörer, warum die Kunstwerke den Angehörigen helfen, den Demenzkranken besser zu verstehen.

Erstausstrahlung: 01.02.2022

Episode 18: Der Feind im eigenen Körper - Autoimmunerkrankungen des Gehirns

Antikörper gelten gemeinhin als körpereigene Feuerwehr. Doch sie können sich auch gegen den eigenen Organismus richten und unter anderem neurologische Beschwerden auslösen. Wie es dazu kommen kann und wieso man bei unklaren neurologischen und psychologischen Symptomen immer nach Antikörpern suchen sollte, erklärt Prof. Harald Prüß im Gespräch mit Sabine Heinrich. 

Der Neurologe ist Forschungsgruppenleiter am DZNE Berlin und Oberarzt an der Klinik für Neurologie und Experimentelle Neurologie an der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Er leitet die Sprechstunden für Gedächtnisstörungen und Antikörper-vermittelte Erkrankungen. Mit Moderatorin Sabine Heinrich spricht der Mediziner über „fehlgeleitete“ Antikörper und warum diese überhaupt ins Gehirn gelangen können.

Wer außerdem wissen möchte, welche Hoffnung die Antikörperforschung für die Behandlung neurologischer Erkrankungen birgt und was das alles mit dem Eisbären Knut zu tun hat, sollte sich den aktuellen Wissenspodcast nicht entgehen lassen. 

Erstausstrahlung: 01.01.2022

Episode 17: Leben mit der Huntington-Erkrankung

Alina ist dreißig Jahre alt und engagiert sich neben ihrer Arbeit in der Filmwirtschaft für die Deutsche Huntington Hilfe (DHH). Das ist eine Selbsthilfe-Institution für Menschen, die unter der seltenen, neurodegenerativen Huntington-Krankheit leiden. Vor einigen Jahren ist Alinas Vater daran erkrankt und eine Tante bereits daran verstorben. Alina kann beobachten, wie Betroffene an der Unaufgeklärtheit der Mitmenschen leiden: Da diese bislang unheilbare Nervenkrankheit genetisch, also erblich bedingt ist, wird sie meist verschwiegen bzw. die Betroffenen werden aufgrund ihrer Symptomatik in der Gesellschaft diskriminiert.

Als Alina vor fünf Jahren durch einen Gentest erfuhr, dass sie selbst Genträgerin ist und früher oder später daran erkranken wird, entschied sie sich dazu, aktiv zu werden und anderen zu helfen - im Zuge dessen startete sie den Podcast “Grow Strong”. In ihm beschäftigt sie sich mit dem Umgang mit Schicksalsschlägen. Außerdem entschloss sie sich dazu, alles in ihrer Möglichkeit Stehende zu unternehmen, damit Angehörige aus Huntington-Familien besser aufgefangen werden. Ihr Anliegen ist es, die Gesellschaft für die Krankheit zu sensibilisieren und Betroffene und Angehörige zu stärken, offener mit der Krankheit leben zu können. 

Wie kam es zu ihrer Entscheidung zum Huntington-Gentest? Was hat die Diagnose bei ihr ausgelöst, und wie hat sie nach ihrer Diagnose einen neuen positiven Lebensweg gefunden? Und was bedeutet Alina ihr Engagement für Betroffene und Angehörige? Darüber spricht sie mit Sabine Heinrich.

Erstausstrahlung: 01.12.2021

Episode 16: Tödlicher „Veitstanz“ - Die Chorea-Huntington-Erkrankung

Chorea Huntington, auch „Huntington-Krankheit“ oder „Morbus Huntington“ genannt, ist eine seltene, aber tödlich verlaufende Erkrankung des Gehirns. Die Huntington-Krankheit hat genetische, also erbliche Ursachen und ist bislang unheilbar. Sie kann sowohl im Kindesalter bis zum hohen Alter ausbrechen. Zu den Symptomen zählen unwillkürliche zuckende Bewegungen und ein charakteristischer tänzelnder Gang: Deshalb wurde die Krankheit früher „Veitstanz“ genannt. Auch der Begriff „Chorea“ stammt vom griechischen Wort „choreia“ für „Tanz“.

Die Huntington-Krankheit ist aber weit mehr als eine Bewegungsstörung: Im Gehirn von Menschen mit Morbus Huntington gehen nach und nach Bereiche zugrunde, die nicht nur für die Steuerung der Muskeln, sondern auch für psychische und kognitive Funktionen wichtig sind. Was passiert mit Körper und Psyche der Erkrankten? Was weiß man über die erblichen Ursachen? Wie ist der aktuelle Stand der Forschung? Diese und andere Fragen rund um Morbus Huntington bespricht die Journalistin Sabine Heinrich mit dem Neurologen Prof. Dr. Albert Ludolph. Er ist Standortsprecher am DZNE Ulm und Ärztlicher Direktor der Neurologischen Klinik am RKU – Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm. Im Podcast spricht der Spezialist für seltene neurodegenerative Erkrankungen über frühe Huntington-Anzeichen wie Verhaltensstörungen, Depressionen oder Wahnvorstellungen (Psychosen) und erklärt, ob man den Verlauf der Erbkrankheit hinauszögern kann.

Erstausstrahlung: 01.11.2021

Episode 15: Der Kampf einer Familie gegen Kinderdemenz

„Kinderdemenz“ ist ein Sammelbegriff für eine Reihe von seltenen, aber schwerwiegenden Gehirn-Erkrankungen, die bereits Kinder betrifft. In dieser Episode spricht die Moderatorin Sabine Heinrich nicht mit jemandem aus der Wissenschaft oder Medizin, sondern mit einem Vater: Robert Bopp. Er ist Vater von drei Kindern, die alle drei eine seltene erbliche Stoffwechselerkrankung haben, bei der das Gehirn nicht mit Folat (Vitamin B9) versorgt wird und die dementielle Folgen hat, wenn sie nicht diagnostiziert und behandelt wird: Cerebrale Folattransportdefizienz, kurz CFTD, oder Cerebrale Folatdefizienz (CFD).

Bei Robert Bopps ältestem Sohn Sebastian wird CFD vor zwölf Jahren am Uniklinikum Göttingen diagnostiziert – zuvor war die Krankheit völlig unerkannt und hatte gar keinen Namen. Auch Sebastians beide jüngeren Schwestern haben diesen Gen-Defekt. Robert Bopp und seine Frau kämpfen um das Leben ihrer Kinder. Und in kürzester Zeit kann von den Göttinger Ärzten erfolgreich eine Therapie der CFD etabliert werden, die bei betroffenen Kindern und Jugendlichen die Neurodegeneration und damit die dementielle Entwicklung und den Tod verhindert.

Zudem ist es möglich, die Erkrankung im Rahmen der Pränataldiagnostik und des Neugeborenenscreenings durch angemessene und geeignete Untersuchungen frühzeitig zu diagnostizieren. 2015 gründet Robert Bopp die CFD Foundation „Folate for Life“, unter anderem, um die Forschung und Aufklärung zur CFD zu unterstützen. Über die Herausforderungen durch die Erkrankung seiner Kinder und sein Engagement berichtet er im Podcast.

Erstausstrahlung: 01.10.2021

Episode 14: Kinderdemenz - Wenn Kinder plötzlich geistig abbauen

Demenz-Erkrankungen machen sich zumeist erst im späteren Erwachsenenalter bemerkbar – wie beispielsweise Alzheimer. Allerdings können degenerative Hirnerkrankungen auch in jungen Jahren auftreten. Mehr als 250 verschiedene Erkrankungen sind mittlerweile bekannt, die die kognitiven Fähigkeiten von Kindern beeinträchtigen. Diese Erkrankungen werden zusammenfassend als „Kinderdemenz“ bezeichnet. Sie sind selten, doch ihre Auswirkungen sind schwerwiegend: Kinder, die sich in den ersten Jahren völlig normal entwickelt haben, verlieren im Verlaufe dieser Formen der Demenz alles Erlernte wieder. 

Was weiß man über die Ursachen? Welche Symptome gibt es und warum dauert es oft lange bis zur Diagnose? Wie ist der Verlauf? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es momentan? Welche deuten sich an? Diese und andere Fragen rund um Kinderdemenz bespricht Journalistin Sabine Heinrich mit der Neuropädiaterin Prof. Jutta Gärtner. Sie ist Forschungsgruppenleiterin am DZNE Göttingen. An der Universitätsmedizin Göttingen leitet sie als Direktorin das Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin sowie das Zentrum für seltene kinderneurologische Erkrankungen. Im Gespräch berichtet die Medizinerin über ihre Erfahrungen mit Kinderdemenz-Patientinnen und -Patienten und deren Familien und erklärt, warum eine frühzeitige Diagnostik so wichtig ist.

Erstausstrahlung: 01.09.2021

Episode 13: Ataxie - Die unbekannte Bewegungsstörung

Weltweit gibt es etwa 6.000 bis 8.000 verschiedene Arten Seltener Erkrankungen. Jede Diagnose ist mit einem Schicksal verbunden, denn die Krankheiten sind meist unheilbar. Das trifft auch auf Ataxien zu: Als Ataxien bezeichnet man eine Gruppe von Erkrankungen des Gehirns und Rückenmarks, die bisher weder heil- noch medikamentös behandelbar sind. 

Ataxien äußern sich durch Störungen im Bewegungsapparat und können in jedem Lebensalter auftreten – auch schon bei Kindern. Rund 20 von 100.000 Menschen sind davon betroffen. Prof. Thomas Klockgether ist Spezialist für Ataxien. Der Neurologe ist Direktor der klinischen Forschung am DZNE, Mitglied im Leitungsgremium des „Zentrums für Seltene Erkrankungen“ und Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie des Universitätsklinikums Bonn. Im Gespräch mit Sabine Heinrich spricht der Mediziner über den Verlauf von Ataxien, Ursachen und mögliche Therapien. Zudem verrät er, warum er als Neurologe nicht vorurteilsfrei durch eine Fußgängerzone laufen kann.

Erstausstrahlung: 01.08.2021