Beta-Synuclein: Ein Indikator für den Verlust von Synapsen bei Alzheimer
Beta-Synuclein ist ein sogenanntes synaptisches Protein. Es kommt im Gehirn am Übergang zwischen zwei Nervenzellen vor – an dieser Synapse kommt es zur chemischen Übertragung von Reizen. Die vielen Millionen Nervenzellen im Gehirn geben auf diese Weise Informationen weiter. An der Funktion der Synapsen ist das Beta-Synuclein beteiligt.
Bei der Alzheimer-Demenz fallen immer mehr Nervenzellen aus, dadurch nimmt langfristig die Gedächtnisleistung ab. Man kann es sich so vorstellen, dass dabei die Synapsen gewissermaßen platzen. In diesem Moment wird alles freigesetzt, was sich bis dahin in den Synapsen befunden hat – auch das Beta-Synuclein. An genau dieser Stelle entsteht seine Relevanz für die Forschung, denn es gelangt ins Blut. Untersucht man nun im Blut die Konzentration des Beta-Synucleins, lassen sich daraus Rückschlüsse auf das Fortschreiten von Alzheimer ziehen; selbst in einem frühen Stadium, in dem der Verfall des Gehirns noch keine wahrnehmbaren Symptome ausgelöst hat.
Je mehr zerstörte Synapsen, desto höher die Beta-Synuclein-Konzentration
Welche Rolle das Beta-Synuclein im Gehirn selbst spielt, ist noch nicht bekannt. In den 1990er Jahren wurde das Protein zum ersten Mal beschrieben. Vermutlich ist es an der Funktion der Synapsen beteiligt, aber der genaue Mechanismus dahinter ist bislang nicht erforscht.
Als Biomarker – also als Indikator – ist es deshalb so aussagekräftig, weil es nur im Gehirn vorkommt. Erkrankungen anderswo im Körper haben also keinen direkten Einfluss auf den Beta-Synuclein-Spiegel. Gleichzeitig gilt aber auch: Er steigt immer dann, wenn viele Synapsen kaputt gehen, und das ist nicht nur bei Alzheimer-Patienten der Fall, sondern etwa auch nach einem Schlaganfall, einem Schädel-Hirn-Trauma oder anderen neurodegenerativen Erkrankungen. Deshalb ist die Beta-Synuclein-Konzentration auch nicht als alleiniger Alzheimer-Indikator geeignet; er muss sich in eine umfangreiche Diagnostik einfügen. Hinzu kommt: Die Forschung hat inzwischen andere Marker wie etwa Phospho-Tau ermittelt, die bei Alzheimer wesentlich früher verändert sind als der Beta-Synuclein-Spiegel.
Relevant ist das Beta-Synuclein deshalb vor allem für die Frage, wann im Krankheitsverlauf die Degeneration beginnt. Denn während andere Indikatoren wie etwa das Phospho-Tau schon viele Jahre vor den ersten erkennbaren Krankheitssymptomen anschlagen, ist der Beta-Synuclein-Indikator direkt mit dem tatsächlichen Verlust von Nervenzellen verbunden, also der unwiederbringlichen Schädigung des Gehirns.
Eine Blutprobe reicht
Damit neue Medikamente wie etwa Lecanemab genau im richtigen Moment angewandt werden können, in dem sie die größte Wirkung erzielen, müsste man gewissermaßen in den Körper schauen, um den Krankheitsverlauf exakt abbilden zu können. Ein Blick auf den Beta-Synuclein-Spiegel könnte genau das ermöglichen. Eine Aufsehen erregende Studie hat den Weg zu diesem Ziel aufgezeigt. Das Besondere daran war, dass erstmals Blutproben zu diesem Zweck verwendet werden konnten. Vorher war man auf Untersuchungen am Nervenwasser, dem sogenannten Liquor, angewiesen, dessen Entnahme medizinisch aufwendiger und oft mit Ängsten behaftet ist.
Derzeit laufen am DZNE weitere Untersuchungen und Studien wie DELCODE oder DIAN, in denen unter anderem festgestellt werden soll, wie sich die Konzentration des Beta-Synucleins im Verlauf der Krankheit verändert. Schon jetzt hat sich gezeigt: Je schwerer die kognitive Beeinträchtigung, desto höher der Beta-Synuclein-Gehalt im Blut. Denkbar ist auch, über das Beta-Synuclein Anhaltspunkte zu bekommen, wie gut eine Behandlung anschlägt: Fällt also die Konzentration im Blut wieder ab, wenn ein Medikament die Degeneration der Nervenzellen stoppt oder verlangsamt? Solche Erkenntnisse könnten künftig einen wesentlichen Beitrag zu einer wirkungsvollen Behandlung leisten.