DZNE-Stiftung zeichnet Dr. Carolin Meyer mit Best Paper Award 2025 aus

1.000 Euro für herausragende Forschung am DZNE-Standort München über Ursachen von Riechstörungen bei Alzheimer

 

München, 9. Januar 2026. Im vergangenen Jahr hat die DZNE-Stiftung zum vierten Mal einen Preis für die beste wissenschaftliche Veröffentlichung ausgeschrieben. Für diesen „Best Paper Award 2025“ konnten Publikationen von Erstautorinnen und -autoren unseres Münchner Standorts eingereicht werden. Die Paper sollten in den letzten zwölf Monaten vor der Ausschreibung in renommierten internationalen Fachzeitschriften erschienen sein und zur Erforschung der Krankheitsentwicklung, der Diagnose, von Therapien neurodegenerativer Erkrankungen oder der Versorgung von Betroffenen entscheidend beigetragen haben.

Die Preisverleihung fand kürzlich im DZNE München statt: Ausgezeichnet wurde die Neurowissenschaftlerin Dr. Carolin Meyer (ehemals AG Prof. Jochen Herms) für den Fachartikel „Early Locus Coeruleus noradrenergic axon loss drives olfactory dysfunction in Alzheimer’s disease“, der im Fachjournal „Nature Communications“ erschienen ist.

Forschung ist fast immer Teamleistung, weshalb wissenschaftliche Veröffentlichungen im Allgemeinen mehrere Autorinnen und Autoren aufweisen. Sogenannte Erstautorinnen und -autoren, denen der „Best Paper Award“ gewidmet ist (im aktuellen Fall Carolin Meyer), haben jedoch eine herausragende Stellung: Sie haben die meiste Arbeit geschultert.

Warum verlieren Menschen mit Alzheimer früh den Geruchssinn?

Ein nachlassender Geruchssinn kann eines der frühesten Anzeichen für eine Alzheimer-Erkrankung sein – oft Jahre, bevor kognitive Beeinträchtigungen auftreten. Der Geruchsverlust gilt zwar als mögliches Frühwarnsignal der Erkrankung, die biologischen Ursachen dafür waren bislang jedoch unklar. Carolin Meyer fand gemeinsam mit ihren Kollegen heraus, dass Immunzellen des Gehirns, sogenannte Mikroglia, dabei eine zentrale Rolle spielen.

Im Fokus der Untersuchung standen Nervenfaserverbindungen zwischen zwei für das Riechen wichtigen Hirnregionen: dem Riechkolben und dem „Locus Coeruleus“. Der Riechkolben liegt im Vorderhirn und analysiert sensorische Informationen, also Sinneseindrücke, der Geruchsrezeptoren in der Nase. Der Locus Coeruleus, eine kleine Region im Hirnstamm, beeinflusst diese Verarbeitungsprozesse mittels langer Nervenfasern, die ausgehend von Nervenzellen im Locus Coeruleus bis zum Riechkolben reichen. Die Studie zeigt, dass diese Nervenfasern bereits sehr früh im Verlauf der Alzheimer-Erkrankung geschädigt werden: Mikrogliazellen erkennen Veränderungen in der Membran der Fasern, die schon in frühen Krankheitsstadien von Alzheimer auftreten, und bauen die Verbindungen daraufhin gezielt ab. Der Verlust dieser Faserverbindungen stört die Signalübertragung im Riechsystem unmittelbar und führt zu Beeinträchtigungen des Geruchssinns.

Diese frühen Prozesse wurden mit Hilfe mehrerer Methoden erforscht: Dazu zählen Studien an Mausmodellen mit Merkmalen der Alzheimer-Erkrankung, Untersuchungen des Gehirns von Personen mit Alzheimer oder leichter kognitiver Beeinträchtigung mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) sowie Riechtests mit standardisierten Duftstiften zur Erfassung funktioneller Veränderungen. Zudem wurde Hirngewebe Verstorbener mit Alzheimer aus der DZNE Brain Bank München analysiert.

Die Ergebnisse liefern erstmals eine schlüssige immunologische Erklärung dafür, warum der Verlust des Geruchssinns zu den frühesten Symptomen der Alzheimer-Krankheit zählt. Gleichzeitig schaffen sie wichtige Grundlagen für die Entwicklung von Methoden zur Früherkennung der Erkrankung. So könnten einfache Tests des Geruchssinns zukünftig dazu beitragen, Menschen mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko bereits in einem sehr frühen Stadium zu identifizieren und ihnen frühzeitig Zugang zu weiterführender Diagnostik und neuen Therapieansätzen zu ermöglichen. Zudem deutet die Studie darauf hin, dass sich mithilfe von PET-Scans des Riechkolbens künftig Biomarker für frühe entzündliche Prozesse im Gehirn identifizieren lassen könnten.

Über die Preisvergabe entschied eine Jury aus internationalen Fachleuten. Die Fördermittel wurden der DZNE-Stiftung von einer Spenderin zur Verfügung gestellt, um gezielt die Forschung am Standort München zu unterstützen. 

Die nächste Ausschreibung für den Best Paper Award des Standorts München erfolgt im Herbst 2026.