Amyloid-Antikörper bei genetisch bedingtem Alzheimer
Aktuelle Ergebnisse aus der DIAN-Studie
Ergebnisse der DIAN-Studie liefern erste Hinweise darauf, dass die Entfernung von Amyloid-Plaques die Symptome einer genetisch bedingten Alzheimer-Krankheit verzögern könnte. In der März-Ausgabe der Fachzeitschrift „The Lancet Neurology“ berichten die an der internationalen Studie beteiligten Fachleute, dass bei ursprünglich kognitiv gesunden Personen mit einer autosomal-dominanten Alzheimer-Mutation die Wahrscheinlichkeit, Symptome einer Demenz zu entwickeln, nach einer achtjährigen Behandlung mit dem Wirkstoff „Gantenerumab“ um die Hälfte sinkt. In Deutschland wird die DIAN-Studie an zwei Studienzentren – Tübingen und München – durchgeführt.
An dieser ersten Studie zur Sekundärprävention (das heißt die Behandlung beginnt, bevor Symptome der Krankheit bemerkbar werden) nahmen 144 erwachsene Mutationsträger teil, die zunächst durchschnittlich fünf Jahre lang mit einem von zwei verschiedenen Antikörpern (Solanezumab und Gantenerumab) gegen die Amyloid-Ablagerungen im Gehirn behandelt wurden. Nach fünf Jahren konnte allerdings kein kognitiver Nutzen gegenüber der Kontrollgruppe festgestellt werden. „Doch für die Mutationsträger, die mit Gantenerumab behandelt wurden, wiesen alle Biomarker in eine positive Richtung“, sagt Mathias Jucker, Sprecher der DIAN-Studie in Deutschland und Forscher am DZNE-Standort Türbingen. Deshalb wurde diesen Studienteilnehmern nach fünf Jahren eine Verlängerung der Behandlung mit höher dosiertem Gantenerumab angeboten. Dies geschah in Form einer „Open-Label“-Behandlung: Im Unterschied zu Studien, bei denen nicht bekannt ist, ob ein Wirkstoff oder ein Scheinmedikament (Placebo) verabreicht wird, wussten in diesem Fall alle Beteiligten, dass tatsächlich ein Wirkstoff zum Einsatz kam.
Mehrjährige Behandlung
Letztendlich waren es 22 Mutationsträger, die Gantenerumab über durchschnittlich 8,4 Jahren einnahmen. In dieser kleinen Gruppe war dann die Wahrscheinlichkeit einer klinischen Verschlechterung nur halb so groß wie bei Mutationsträger, die nie Antikörper bekamen.
“Das ist eine sehr gute Nachricht und entspricht dem, was wir erwarten, wenn solche Antikörper sehr früh verabreicht werden, das heißt, bevor Symptome auftreten. Allerdings muss man einschränkend anmerken, dass es bei dieser Studie strenggenommen keine Kontrollgruppe gab und dass es eine sehr kleine Studie ist. Trotzdem sind diese Befunde ermutigend. Sie sind ein Zeichen dafür, dass eine solche, frühe Behandlung mit den heutigen Antikörpern erfolgreich sein könnte. Zumal es andere Antikörper gibt, die als noch wirksamer gelten, hier aber nicht zum Einsatz kamen. Einer dieser Antikörper, Lecanemab, wird aktuell in einer Folgestudie, getestet“, sagt Mathias Jucker.
Originalpublikation
Safety and efficacy of long-term gantenerumab treatment in dominantly inherited Alzheimer’s disease: an open-label extension of the phase 2/3 multicentre, randomised, double-blind, placebo-controlled platform DIAN-TU trial.
The Lancet Neurology (2025)
Bateman et al.
DOI: 10.1101/2024.10.29.24316289
April 2025