Methoden in der Versorgungsforschung

Dr. Sonja Teupen

Forschungsschwerpunkte

Unsere Aufgaben

  • Begleitung und Beratung der Forschungsprojekte am Standort Witten von der Planung bis zur Publikation
  • Methodologische Reflexion
  • Weiterentwicklung von Forschungsmethoden
  • Koordination der Implementierung von KI-Tools in die Forschungsaktivitäten des Standorts

Unsere Expertise

  • Quantitative Methodologie und Methodik
  • Qualitative Methodologie und Methodik
  • Forschungsdatenmanagement
  • Datenschutz

Im Detail

Der DZNE-Standort Witten widmet sich der Pflege- und Versorgungsforschung mit dem Schwerpunkt Demenz. Dieses Forschungsfeld stellt besondere methodische Anforderungen, auf die die Expertise der Arbeitsgruppe gezielt eingeht. 

Besonderheiten des Forschungsfeldes

  • Unsere Fragestellungen sind häufig explorativ – bisher wenig bekannte Phänomene, Zusammenhänge und Strukturen sollen aufgedeckt werden.
  • Wir haben meist mit komplexen Konstellationen der Versorgung zu tun – menschliche und strukturelle Einflussfaktoren wirken zusammen.
  • Der Feldzugang ist für uns teilweise eine Herausforderung – die Menschen zu erreichen, mit denen wir forschen wollen.
  • Meist forschen wir im quantitativen Bereich mit kleinen Gelegenheitsstichproben – diese sind nicht repräsentativ und die Daten sind selten normalverteilt.
  • Unsere quantitativen Daten besitzen meist ein nominales (z. B. Geschlecht) oder ordinales (z. B. Ausbildungsgrad) Skalenniveau.
  • Teilweise forschen wir mit vulnerablen, d. h. besonders verletzlichen Personengruppen – forschungsethische Überlegungen sind daher zentral.
  • Wir forschen mit verschiedenen Gruppen von Personen, z. B. mit Pflegefachkräften, Menschen mit Demenz oder Angehörigen von Menschen mit Demenz – die Methoden der Datenerhebung passen wir jeweils an die Zielgruppe an.

Unsere Aufgabe vor dem Hintergrund dieser Besonderheiten ist es, geeignete Forschungsmethoden auszuwählen. Damit können wir die Qualität der Forschung am Standort Witten sicherstellen.

Quantitative Methodologie und Methodik

Mit quantitativen Methoden werden empirische Daten erhoben und analysiert. So werden zum Beispiel Beobachtungen mittels eines Fragebogens gesammelt und mit numerischen Daten belegt. Diese Informationen werden mit geeigneten statistischen Verfahren bearbeitet, um Hypothesen zu überprüfen oder neue zu bilden. Strukturierende multivariate Analysemethoden ermöglichen beispielsweise, Zusammenhänge zwischen mehr als zwei Variablen zu analysieren. 

Mit unserer methodischen Expertise leisten wir einen Beitrag zur

  • Weiterentwicklung von Konzepten der Pflege- und Versorgungsforschung (z.B. Typen von Pflegeeinrichtungen für Menschen mit Demenz in Deutschland),
  • Prüfung der Wirksamkeit komplexer Interventionen (z.B. Auswirkung von Umgebungsgestaltung auf Verhaltensweisen von Bewohner:innen),
  • Untersuchung relevanter klinischer Phänomene (z.B. Prävalenzschätzung des Deliriums in vollstationären deutschen Altenpflegeeinrichtungen und Analyse assoziierte Faktoren wie Schmerzverhalten und eingenommene Medikation).

Auf Basis dieser Befunde kann die Versorgungssituation von Menschen mit Demenz nachhaltig verbessert werden. 

Qualitative Methodologie und Methodik

Qualitative Methoden setzen wir ein, wenn wir Phänomene der demenzspezifischen Pflege und Versorgung verstehen wollen. Wichtige Gegenstandsbereiche sind z. B. Sachverhalte und Prozesse in Organisationen (z. B. Strukturen interprofessioneller Zusammenarbeit), subjektive Sichtweisen von Personen (z. B. Symptomerleben von Menschen mit Demenz), Interaktionen zwischen Personen (z. B. zwischen einer Person mit Demenz und eine:r Angehörigen), Praktiken (z. B. Nutzung von sozialen Robotern) und Wissensordnungen (z. B. öffentliche Thematisierung von Demenz). Qualitative Methoden werden auch ergänzend in quantitativen Studien eingesetzt, um z. B. nicht nur zu messen, wie wirksam eine Intervention ist, sondern um die Wirkweise im vorliegenden Kontext im Detail zu verstehen. Und auch im Rahmen von Prozessevaluationen und Implementierungsforschung nutzen wir qualitative Methoden. 

Je nach Gegenstand, Fragestellung und Zielgruppe stehen vielfältige Methoden der qualitativen Sozialforschung zur Verfügung. Zur Datenerhebung dienen z. B. verschiedene Formen von Interviews, (Video-)Beobachtungen oder die Sammlung von Dokumenten. Auch die Auswertungsmethoden richten sich nach dem Gegenstand und der Fragestellung und zielen dabei auf die beschreibende Analyse, z. B. von Themen in Fokusgruppeninterviews, oder auf die interpretierende Analyse, z. B. von Sinnfiguren in narrativen Interviews.

Das MethodenForum Witten bietet über den Standort hinaus einen Ort für die methodologische Reflexion in der qualitativen demenzspezifischen Pflege- und Versorgungsforschung.

Forschungsdatenmanagement und Datenschutz

Während des gesamten Forschungsprozesses, von der Planung bis zur Publikation, unterstützen wir mit unserer Expertise bei der Organisation der Daten sowie der Realisierung von Datenerfassung, Aufbereitung und Archivierung. Wir schulen Forschende am Standort hinsichtlich des Umgangs mit jeglicher Art von Daten und beraten zu datenschutzrechtlichen Fragestellungen.

Im Rahmen des Forschungsdatenmanagements beschäftigen wir uns mit der Verfügbarmachung qualitativer Forschungsdaten für zukünftige Forschungsvorhaben. Diese Art der Daten, meist Audio- oder Videoaufnahmen von Personen in ihrer Versorgungsumgebung, bleiben aufgrund ihrer Sensibilität und des hohen datenschutzrechtlichen Schutzbedarfes in der Nutzung oft auf die Primärforschung beschränkt. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Forschungsförderung verlangte Veröffentlichung und Bereitstellung von Daten ist dadurch weitgehend eingeschränkt.

Angesichts des mit einer Datenerhebung verbundenen Aufwandes, des schwierigen Feldzugangs und des hohen wissenschaftlichen Interesses an diesen wertvollen Daten entwickeln wir Prozesse und Maßnahmen, mittels derer diese Daten langfristig archiviert und anderen zugänglich gemacht werden können.

Bei der Koordination der Implementierung von KI-Tools in die Forschungsaktivitäten des Standorts steht für uns die Unterstützung und Verbesserung der Forschung bei Einhaltung wissenschaftlicher Qualitätsstandards im Fokus. Wir entwickeln passgenaue Handlungsempfehlungen und sensibilisieren Mitarbeitende am Standort.

Wir untersuchen subjektive Perspektiven von Menschen mit Demenz (und Personen in ihrem Umfeld) sowie die methodischen Grundlagen dieser Forschung. Mit diesem Wissen können passgenaue Ansätze der Prävention, Diagnostik, Behandlung und Pflege entwickelt und implementiert werden.

Übergeordnete Fragestellungen sind: Wie erleben Menschen mit Demenz ihre Erkrankung und ihren Alltag (lived experience)? Wie blicken sie auf sich selbst und ihre Lebenswelt und welche Auswirkungen hat dies auf ihr Handeln? Wie erleben Personen im sozialen Umfeld von Menschen mit Demenz das Leben mit der Erkrankung?

Unterschiede in den Perspektiven, Bedarfen und Präferenzen von Menschen mit Demenz gründen in mehreren Einflussfaktoren, u.a. in

  • der individuellen Lebensgeschichte und Identität,
  • der demenzspezifischen Symptomatik und deren Bedeutung im Alltag der Person,
  • den sozialen Beziehungen zu anderen Menschen,
  • den sozioökonomischen Ressourcen sowie
  • dem kulturell-gesellschaftlichen Kontext.

Diese unterschiedlichen Faktoren berücksichtigen wir in unserer Forschung. 

Das MethodenForum Witten mit einem Schwerpunkt auf qualitativen Methoden im Kontext translationaler demenzspezifischer Versorgungsforschung bietet einen Rahmen für die methodologische Reflexion dieser Forschung.

 

Forschungsprojekte

STELDA - Stigmatisierung aufgrund einer Demenz: Erleben und Auswirkungen in der Lebenswelt von Menschen mit Demenz im jüngeren Lebensalter und ihren erwachsenen Angehörigen (BMFSFJ)

Forschungsprojekte

Dementia Mindset - Demenz-Mindsets von Pflegekräften in der stationären Altenpflege: Eine Replikationsstudie zur Entwicklung und Validierung der Dementia Mindset Scale