Herbert-Worch-Stiftung fördert DZNE-Forschung zur Alzheimer-Therapie mit rund einer Million Euro

Bonn, 30. September 2026. Die Bonner Herbert-Worch-Stiftung unterstützt über die DZNE-Stiftung ein klinisches Forschungsprojekt des DZNE zur Antikörper-Therapie mit über einer Million Euro. Im Rahmen von zwei Projekten soll untersucht werden, wie sich diese neuartige Therapieform zur Behandlung der Alzheimer-Erkrankung sicher und patientenorientiert begleiten lässt und wie blutbasierte Biomarker zur Früherkennung und Überwachung möglicher Nebenwirkungen beitragen können. 

Lecanemab und Donanemab sind in Deutschland zugelassene, krankheitsmodifizierende Antikörper-Medikamente für Menschen im frühen Stadium der Alzheimer-Erkrankung. Die Behandlung erfolgt regelmäßig als intravenöse Infusion und erfordert eine engmaschige medizinische Überwachung, darunter wiederkehrende Untersuchungen im Hirnscanner (MRT). Eine besondere Herausforderung bei dieser Form der Therapie bilden die dabei als Nebenwirkung möglichen „amyloid-related imaging abnormalities“, kurz ARIAs. Diese Veränderungen im Gehirn zeigen sich in der Bildgebung als Schwellungen oder Blutungen im Gehirn und können in einzelnen Fällen mit schwerwiegenden Symptomen einhergehen.

Das geförderte Forschungsprojekt setzt an zwei zentralen Fragen an: Wie lassen sich Betroffene und Angehörige während der Therapie besser unterstützen? Und wie lassen sich ARIAs anhand von Blutproben frühzeitig vorhersagen, erkennen und im Verlauf überwachen.

Strukturierte Begleitung während der Therapie

In einem der beiden Projekte soll untersucht werden, wie sich das am DZNE entwickelte Dementia Care Management an die besonderen Anforderungen der Antikörper-Therapie anpassen lässt. Dafür stellt die Herbert-Worch-Stiftung rund 550.000 Euro bereit.

Das Dementia Care Management ist ein sektorenübergreifendes Versorgungskonzept. Speziell qualifizierte Pflegefachpersonen erfassen medizinische, pflegerische, psychosoziale und organisatorische Bedarfe, koordinieren Unterstützungsangebote und begleiten Betroffene sowie ihre Angehörigen. Im Rahmen des aktuellen Forschungsprojekts wird dieses Konzept um Elemente ergänzt, die unmittelbar mit der Antikörpertherapie zusammenhängen: die Organisation von Infusions- und MRT-Terminen, das Erkennen möglicher Nebenwirkungen, die Unterstützung bei Therapieentscheidungen und die Förderung einer kontinuierlichen Behandlung.

„Die Antikörpertherapie stellt Betroffene und Angehörige vor hohe medizinische, organisatorische und psychosoziale Anforderungen“, sagt Prof. Wolfgang Hoffmann, Sprecher des DZNE-Standortes Rostock/Greifswald. „Wir untersuchen, ob ein strukturiertes Dementia Care Management die betroffenen Patientinnen und Patienten bei der kontinuierlichen Durchführung der Behandlung unterstützt, ihre Lebensqualität verbessert und alle Beteiligten im Alltag spürbar entlastet.“

An der zugehörigen Studie nehmen insgesamt 300 Menschen mit Alzheimer-Erkrankung teil. Die Rekrutierung erfolgt an drei spezialisierten Gedächtnisambulanzen in Mecklenburg-Vorpommern. Eine Hälfte der Teilnehmenden erhält die Antikörpertherapie zusammen mit dem ergänzenden Dementia Care Management, die andere Hälfte die reguläre Versorgung ohne diese zusätzliche Begleitung. Die Forschenden untersuchen unter anderem Behandlungskontinuität und -zufriedenheit, Lebensqualität, Alltagsfähigkeiten und Kosten-Effektivität. Das Forschungsvorhaben ist auf acht Jahre angelegt.

Blut-Biomarker soll Nebenwirkungen frühzeitig anzeigen

Das zweite Projekt erhält Fördermittel von rund 520.000 Euro. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines blutbasierten Biomarkers für ARIAs. Dieser soll Hinweise auf die Nebenwirkungen liefern, bevor oder sobald sie auftreten, und ihre weitere Entwicklung im Behandlungsverlauf abbilden.

Das Team der DZNE-Forschenden unter Leitung von Gabor Petzold und Anja Schneider konzentriert sich auf winzige, von Zellen abgegebene Fettbläschen, sogenannte extrazelluläre Vesikel. Sie entwickeln ein Verfahren, um gezielt Vesikel aus Blutproben zu isolieren, die von Gefäßzellen des Gehirns stammen. Aus diesen Partikeln bestimmen sie Formen des Proteins Amyloid-Beta, das sich im Zuge von Alzheimer und auch bei anderen Erkrankungen im Gehirn ansammelt.

Zunächst soll das Verfahren anhand von Blutproben von Menschen mit zerebraler Amyloidangiopathie und von gesunden Kontrollpersonen vorbereitet werden. Die zerebrale Amyloidangiopathie ist eine Erkrankung, bei der sich Amyloid-Protein in den Hirngefäßen ablagert. Sie dient den Forschenden als Modellfall für Prozesse, die auch bei der Alzheimer-Erkrankung und ARIAs eine Rolle spielen.

„Unser Ziel ist ein Blut-Biomarker, der ARIAs möglichst früh und zuverlässig anzeigt“, sagt Prof. Gabor Petzold, Direktor der Klinischen Forschung am DZNE. „Ein solches Verfahren könnte die engmaschige Überwachung durch MRT-Untersuchungen sinnvoll ergänzen und wichtige Erkenntnisse für eine sichere, individuell abgestimmte Antikörpertherapie liefern.“

Im zweiten Schritt werden die Untersuchungen auf Personen ausgedehnt, die an universitären Spezialambulanzen eine Antikörpertherapie erhalten. Geplant ist, Daten von insgesamt 500 Patientinnen und Patienten über einen Zeitraum von fünf Jahren auszuwerten.

Langjährige Partnerschaft für die klinische Forschung

Mit der Förderung setzt die Herbert-Worch-Stiftung ihre langjährige Partnerschaft mit dem DZNE und der DZNE-Stiftung fort. Bereits von 2019 bis 2025 unterstützte sie die Entwicklung des Dementia Care Management am DZNE-Standort Rostock/Greifswald mit rund 520.000 Euro. Das dort entwickelte und wissenschaftlich untersuchte Versorgungskonzept bildet die Grundlage für eines der nun geförderten Forschungsprojekte. Eine enge persönliche Verbindung besteht ebenfalls: Eduard Thometzek gehört seit der Gründung der DZNE-Stiftung im Jahr 2017 ihrem Stiftungsrat an. Zugleich ist er Vorstand der Herbert-Worch-Stiftung. 

„Die neue Förderung knüpft unmittelbar an unser langjähriges Engagement für die klinische Altersforschung und das Dementia Care Management an“, so Eduard Thometzek. „Das Projekt verbindet innovative Behandlungsmöglichkeiten mit konkreten Fragen der PatientInnensicherheit und der Organisiation der Versorgung. Genau an dieser Schnittstelle möchten wir gemeinsam mit dem DZNE einen Beitrag für Menschen mit Alzheimer-Erkrankung und ihre Angehörigen leisten.“

 

Über das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE): Das DZNE zählt zu den weltweit führenden Forschungszentren für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und ALS, die mit Demenz, Bewegungsstörungen und anderen schwerwiegenden Beeinträchtigungen der Gesundheit einhergehen. Diese Erkrankungen bedeuten enorme Belastungen für Betroffene und ihre Angehörigen – ebenso für die Gesellschaft und das Gesundheitssystem. Das DZNE trägt maßgeblich zur Entwicklung neuer Strategien der Prävention, Diagnose, Versorgung, Behandlung und Pflege bei – und zu deren Überführung in die Praxis. Es hat bundesweit zehn Standorte und kooperiert mit Universitäten, Universitätskliniken und anderen Forschungseinrichtungen im In- und Ausland. Das DZNE wird staatlich gefördert, es ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft und der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung.

Über die Herbert-Worch-Stiftung: Herbert Worch gründete die Deutsche Herold Versicherungsgruppe. Zu seinem Andenken rief seine Familie 1997 die ausschließlich gemeinnützige Herbert-Worch-Stiftung zur Förderung der medizinischen Forschung ins Leben. In den ersten Jahren unterstützte die Stiftung den Transfer medizinischer Forschungsergebnisse in die praktische Anwendung. Dazu dienten unter anderem internationale Online-Angebote zur Vernetzung von Forschung, Entwicklung und Förderung sowie der bis 2012 verliehene „Herbert-Worch-Innovationspreis Medizin“. Seit 2013 fördert die Stiftung ausschließlich angewandte klinische Forschungsvorhaben in der Altersmedizin, die gemeinsam mit Bonner Institutionen und Krankenhäusern umgesetzt werden.

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Guido Ening
Intern / Stv. Leitung
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