Dementia Care Management

Ein Instrument zur besseren Versorgung im häuslichen Umfeld

Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen stehen im Mittelpunkt des Dementia Care Managements (DCM): Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein Konzept zur bestmöglichen Versorgung im häuslichen Umfeld, das auf einer individuell abgestimmten gesundheitlichen Betreuung basiert. Von der ersten Diagnose an bis hin zur Pflegebedürftigkeit sollen die betroffenen Familien so begleitet werden, dass sie immer die Unterstützung erhalten, die sie brauchen. Diese Begleitung kann die Lebensqualität spürbar verbessern und dafür sorgen, dass die Patientinnen und Patienten länger eigenständig ihr gewohntes Leben fortführen können.

Das Konzept wurde am DZNE entwickelt und wird in Fachkreisen weit über Deutschland hinaus wegen seines Modellcharakters beobachtet. Im Kern geht es darum, frühzeitig zu erkennen, welche Art von Unterstützung die Patienten und ihre Angehörigen benötigen. Diese Bedarfe sind je nach Lebenssituation sehr unterschiedlich – und sie fallen in den Zuständigkeitsbereich von zahlreichen verschiedenen Akteurinnen und Akteuren: Manches kann ein Pflegedienst übernehmen, für anderes wird ein Arzt benötigt, hinzu kommt die Abstimmung mit verschiedenen Behörden, mit Kranken- und Sozialkassen.

Wichtigstes Ziel: Ein längeres selbstbestimmtes Leben bei höchstmöglicher Lebensqualität

Speziell geschulte Dementia Care Manager sind in dem Konzept die zentralen Ansprechpersonen für die betroffenen Familien. Sie bauen vor Ort ein Netzwerk auf, zu dem sie die verschiedenen Beteiligten zusammenschließen, helfen bei der Koordination und beraten – und sie können mit ihrer Erfahrung aus ähnlich gelagerten Fällen viele praktische Tipps geben. Dies reduziert den Bedarf weiterer medizinischer Aufklärung und entlastet zugleich die Hausärztinnen und Hausärzte. Da Konzept zeigte ebenfalls, dass Betroffene durch die Betreuung weniger Krankenhausaufenthalte hatten.

Die Anfänge des DCM gehen ins Jahr 2011 zurück: Damals startete am Greifswalder Standort des DZNE die Delphi-MV-Studie, mit der eine solche spezialisierte Versorgung erstmals erprobt und evaluiert wurde. Inzwischen liegen auch die Ergebnisse von zahlreichen weiteren Studien vor, die darauf aufbauen – in dieser regelrechten Kaskade von Projekten (siehe Textende) wurde das DCM immer weiter verbessert oder an Versorgungsbereiche und Regionen angepasst. Stetiger Begleiter ist ein IT-basiertes Versorgungs-Mangagement-System, das automatisiert dabei hilft, die Bedarfe zu erkennen und einen Maßnahmenplan vorschlägt. Auf diese Weise kann den spezialisierten Pflegefachpersonen nichts entgehen. In der neuesten Studie, Living@Home, wird das Konzept um eine App für die Angehörigen ergänzt. Diese App soll für eine stetige Verbindung zwischen den betroffenen Familien und dem Expertenzentrum sorgen und Hilfeleistungen genau dann anbieten, wenn sich Bedarfe oder häusliche Krisen entwickeln.

Wirksamkeit wissenschaftlich bewiesen

In Deutschland gibt es schätzungsweise etwa 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Derzeit wartet das DCM auf eine flächendeckende Umsetzung. Erprobt und immer weiter verbessert wurde es bisher in vier Bundesländern (Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen) im Rahmen von Pilotprojekten mit mehreren tausend Beteiligten. Diese Pilotprojekte wurden von Forschenden des DZNE konzipiert und in aufwendigen Studien über viele Jahre hinweg begleitet. Dadurch konnte nachgewiesen werden, dass das DCM wirksam ist: Es verbessert die Versorgung der Patientinnen und Patienten und entlastet die Angehörigen. An den Studien beteiligte Hausärztinnen und Hausärzte empfanden das Konzept als sehr unterstützend. Zugleich konnte gezeigt werden, dass es weniger unbehandelte Bedarfe gibt und die Zahl der Krankenhausaufenthalte verringert werden kann. Innerhalb der ersten zwei Jahre konnten die Betroffenen ebenfalls länger in der Häuslichkeit blieben, was eine eventuelle Einweisung in eine stationäre Pflegeeinrichtung verzögerte. Diese Effekte zeigten sich bei nicht erhöhten Kosten.

Wegen dieser Erfolge ist das DCM in der Nationalen Demenzstrategie sowie in der Behandlungsleitlinie verankert. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, hat zudem im Anschluss an die InDePendent Studie die Überführung des DCM in die Regelversorgung empfohlen. Für diesen letzten Schritt muss jetzt die Politik die nötigen Weichenstellungen vornehmen.

 

Relevante Paper

DelpHi-MV
doi: 10.1186/1745-6215-13-56.
doi: 10.1017/S1041610214000830. 
doi: 10.1001/jamapsychiatry.2017.2124.
doi: 10.1016/j.jalz.2019.05.008.
doi: 10.1001/jamanetworkopen.2024.19282.

Intersec CM
doi: 10.1186/s13063-021-05021-1.
doi: 10.1093/ageing/afaf011.

GaiN
doi: 10.1186/s13063-021-05395-2.
doi: 10.1016/j.jval.2025.01.011. 

DCM:Impact
doi: 10.3233/ADR-220045.
doi: 10.1007/s41669-024-00548-w.

Routine DCM
doi: 10.1136/bmjopen-2024-085852.

InDePendent
doi: 10.1186/s13063-022-06249-1.
doi: 10.1002/alz.70727.

Living@Home
doi: 10.1186/s13063-026-09639-x.

Stand: 13.04.2026