Dreifache Auszeichnung und Förderung für Prof. Martin Reuter
Forschung mit MRT-Daten des Gehirns
Bonn, 17. Dezember 2025. Prof. Martin Reuter, KI-Experte am DZNE-Standort Bonn, erhält gleich drei Anerkennungen: Die Helmholtz-Gemeinschaft fördert die nachhaltige Weiterentwicklung der von ihm entwickelten Software FastSurfer und zeichnet FastSurfer zusätzlich mit dem Helmholtz Software Award in der Kategorie Sustainability Prize aus. Parallel übernimmt die DZNE-Stiftung eine Brückenförderung für ein eng mit FastSurfer verbundenes KI-Projekt zur Suche nach neuen Biomarkern.
Bei der von Martin Reuter entwickelten Software FastSurfer handelt es sich um ein Computerprogramm, das Forschenden sowie Ärztinnen und Ärzten hilft, Gehirnaufnahmen aus der Magnetresonanztomographie (MRT) schnell und zuverlässig auszuwerten. Es nutzt künstliche Intelligenz, um verschiedene Hirnstrukturen auf den Aufnahmen automatisch zu erkennen und sehr präzise zu vermessen – eine wichtige Grundlage, um Veränderungen durch Alterung oder Krankheiten zu untersuchen. Das Besondere: FastSurfer arbeitet sehr schnell und automatisiert zudem Aufgaben, die sonst viel Zeit und Fachwissen erfordern. Dadurch unterstützt die Software sowohl groß angelegte Forschungsstudien wie die Rheinland-Studie des DZNE als auch klinische Anwendungen, darunter Untersuchungen zu Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson. Zudem ist FastSurfer ein Open-Source-Computerprogramm und daher frei verfügbar sowie weltweit kostenlos nutzbar.
Helmholtz fördert FastSurfer
Die Helmholtz-Gemeinschaft fördert Reuter und seine Arbeitsgruppe im Programm „Helmholtz Science Serve: Boosting Research Software at Helmholtz“ für ein Jahr. Die Mittel sind für Wartung, Weiterentwicklung und eine breitere Nutzbarmachung von FastSurfer vorgesehen. Bewilligt wurden rund 150.000 Euro, ergänzt durch einen gleich hohen Eigenanteil von Seiten des DZNE.
Sustainability Prize für Forschungssoftware
Für die nachhaltige Ausrichtung des Computergramms FastSurfer wurde Martin Reuter mit dem Sustainability Prize des Helmholtz Software Awards ausgezeichnet. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert und würdigt Forschungssoftware, die langfristig tragfähig entwickelt ist und der wissenschaftlichen Community dauerhaft zur Verfügung steht.
DZNE-Stiftung sichert KI-Projekt
Auch die DZNE-Stiftung unterstützt Prof. Reuters Forschung: Die National Institutes of Health (NIH), die wichtigste US-amerikanische Forschungsförderung, haben 2025 ihre Unterstützung für ausländische Forschungspartner stark eingeschränkt – auch bei Projekten, die für das Verständnis neurodegenerativer Erkrankungen entscheidend sind. Nachdem eine Förderung durch die NIH Mitte des Jahres abrupt weggefallen war, übernimmt die Stiftung mit einer Förderung von rund 100.000 Euro eine entscheidende Brückenfunktion für die Fortführung eines von Reuter geleiteten Forschungsprojekts: Reuter entwickelt in diesem Vorhaben KI-Methoden, um den Plexus choroideus – eine für Flüssigkeitshaushalt und Reinigungsvorgänge im Gehirn zuständige und bislang schwer zu vermessende Gewebestruktur – in MRT-Daten präzise zu analysieren und darüber neue Biomarker für Alzheimer, Parkinson und ALS zu identifizieren. Projektpartner sind die Harvard Medical School und die University of Rochester.
Zwei Projekte, ein gemeinsamer Ansatz
FastSurfer bildet die methodische Grundlage für das Biomarker-Projekt: Die dort entwickelten neuronalen Netzwerke werden für die Analyse des Plexus choroideus angepasst und erweitert. Die neuen Verfahren fließen wiederum in FastSurfer zurück. Das finale Ergebnis – ein KI-Modul zur genauen Identifikation und Vermessung dieser Hirnstruktur in MRT-Aufnahmen – wird als weiteres FastSurfer-Modul öffentlich bereitgestellt.
„FastSurfer und unser KI-Projekt zum Plexus choroideus verfolgen ein gemeinsames Ziel: Wir wollen zuverlässige Werkzeuge schaffen, mit denen Forschende und Kliniken weltweit Hirnveränderungen früh und präzise erkennen können“, sagt Prof. Reuter. „Die aktuelle Unterstützung – sowohl durch Helmholtz als auch durch die DZNE-Stiftung – gibt uns den Spielraum, diese Methoden nachhaltig zu entwickeln und der Community frei zugänglich zu machen.“
Warum neue KI-Methoden nötig sind
Bisherige Tools liefern nur grobe Segmentierungen des Plexus choroideus. Neue spezialisierte KI-Methoden sollen langfristig zuverlässige Verlaufsanalysen ermöglichen und feinste Veränderungen früh erkennen – ein wichtiger Schritt, um neurodegenerative Erkrankungen besser zu verstehen.