RAUM!Erleben - Bedeutung der räumlichen Orientierung in der Lebenswelt: Zu Hause alleinlebende Menschen mit Demenz

Projektübersicht

Projektlaufzeit:2022 - 2025
Projektfinanzierung:

Ehemaliges Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

Im Rahmen der Nationalen Demenzstrategie, Maßnahme 4.3.11 „Forschung zu Lebenswelten von Menschen mit Demenz“

Projektleitung und -koordination:Dr. Saskia Kuliga
ehemalige Projektmitarbeiter/innen:

Dr. Daniela Templin

Marie Wohlan (WissHK)

Dr. Anne Fahsold

Julius Manuel Strotmann (WissHK)

Sebastian Dorfmüller (WissHK)

Auftragsarbeit (Modul 1.3)

Dr. Vincent Langenfeld

Sânziana Maximeasa (Architektur)

Hintergrund

In Deutschland leben ca. 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, davon leben einige in einem Einpersonenhaushalt. Ein Ziel der Nationalen Demenzstrategie ist, Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zu unterstützen. Im Rahmen der Nationalen Demenzstrategie wird die Forschung zu Lebenswelten von Menschen mit Demenz in den Mittelpunkt gestellt.

Die räumliche Orientierung ist in frühen Phasen des Lebens mit einer Demenz ein zentraler Baustein für die Selbstständigkeit und die gesellschaftliche Teilhabe im Alltag: Eine Desorientierung kann unter anderem bedeuten, dass eine Person sich nicht (mehr) selbstständig orientieren kann oder keine Strategien findet, um sich in einem gebauten Raum zurechtzufinden, z. B. in Städten oder Gebäuden.

Insbesondere für alleinlebende Menschen mit Demenz kann es manchmal es eine Hürde sein, soziale Unterstützung anzufragen, um gemeinsam unterwegs zu sein. Die Teilhabemöglichkeiten und Lebensqualität hängen insofern mit räumlicher Orientierung zusammen, dass Menschen, die sich (selbst)sicher fühlen, vermutlich auch eher Angebote in ihrer Nachbarschaft nutzen; auch dann, wenn keine andere Person zur Verfügung steht, die sie z.B. in der räumlichen Orientierung, Wegfindung oder bei Aktivitäten außer Haus unterstützt.

Projektziele

Gefördert vom ehemaligen Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend rückt das Forschungsprojekt RAUM!Erleben am DZNE Witten die Perspektiven von Menschen mit Demenz und ihrer gelebten Erfahrung mit der Lebenswelt, in verschiedenen Lebenssituationen (z.B. alleinlebend) und an verschiedenen Lebensorten, in den Fokus.

Ziel dieses Forschungsprojektes ist, die Bedeutung der räumlichen Orientierung in der Lebenswelt aus den Perspektiven von Menschen mit Demenz zu untersuchen und aus den Forschungsergebnissen Handlungsempfehlungen für Akteur:innen der Praxis abzuleiten.

Dabei stehen drei Forschungsfragen zentral:

Methoden

Das Projekt nutzt qualitative, teils partizipative Forschungsansätze. Mittels Begehungen, sozialräumlichen Analysen und ko-kreativen Forschungsmethoden bindet das Projekt Menschen, die mit frühen Phasen einer Demenz leben, Ehrenamtliche und Akteur:innen der Praxis in das Projekt ein. Insbesondere möchte RAUM!Erleben die direkten Perspektiven von alleinlebenden Menschen mit Demenz einbinden und in den Mittelpunkt stellen.

Erste Ergebnisse

Die Forschungsergebnisse werden in Handlungsempfehlungen für Akteur:innen der Praxis, z.B. Kommunen, Planungsbeteiligte überführt und der Fach-Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt:

1) Mehr Vernetzung und Austausch zwischen Menschen mit frühen Phasen einer Demenz und Jungerkrankten fördern, um Erfahrungswissen untereinander weiter zu geben.

2) Eine sog. demenzsensitive Gestaltung des öffentlichen gebauten und sozialen Raumes weiter fördern; insbesondere in Hinblick auf die räumliche Orientierung am Lebensort, um soziale Teilhabe zu verstärken.

3) Eine wertschätzende Kommunikation auf allen Ebenen stärken; insbesondere in der Gesellschaft und an Berührungspunkten im öffentlichen Raum und bei medizinischen Fachpersonal.

Die Broschüre mit Handlungsempfehlungen für Akteurinnen und Akteure der Praxis, die Angebote für Menschen mit Demenz gestalten, kann hier heruntergeladen werden: Broschüre Download.

Zudem entstand ein Kartenspiel, das in der ehrenamtlichen Erstbegleitung von Menschen mit Demenz und in Alzheimer Gesellschaften im Kontakt mit Menschen mit frühen Phasen einer Demenz zum Kennenlernen und als Gesprächswerkzeug genutzt werden kann. Die Druckdatei ist derzeit bis zur Veröffentlichung der wissenschaftlichen Fachpublikation noch nicht öffentlich zugänglich. Die Spielanleitung ist hier abrufbar. Das Kartenspiel sowie die Spielanleitung sind unter CC BY-NC-SA 4.0 geschützt mit Namensnennung: “Forschungsprojekt RAUM!Erleben, gefördert durch das ehemalige BMFSFJ; Saskia Kuliga/DZNE Witten, 2025.”

In dem Projekt entstanden partizipativ verschiedene kurze Filme, die sich mit verschiedenen Perspektiven von Menschen mit Demenz, die am Projekt teilgenommen haben, befassen. In Interviews wurden eine Botschaft, damit assoziierte Bilder und ein Ablaufplan des Legefilms gemeinsam geplant. Anschließend erstellte die Forscherin die Bilder und filmte diese zu einem Bewegtbild ab. Aus Anonymisierungsgründen sind keine indentifizierbaren Daten von Teilnehmenden in der finalen Version sichtbar - ihre enthaltenen Botschaften sprechen für sich. Der Film lässt sich hier abrufen. Die Legefilme sind CC BY-NC-ND 4.0 geschützt mit Namensnennung: „Forschungsprojekt RAUM!Erleben, gefördert durch das ehemalige BMFSFJ; Saskia Kuliga/DZNE Witten, 2025".

Inhaltlich trägt das Projekt RAUM!Erleben dazu bei, die Perspektiven von Menschen mit Demenz hinsichtlich ihrer Lebenswelt und der räumlichen Orientierung zu verstehen. Damit kann das Projekt auch Impulse für sog. demenzsensible gebaute Umgebungen und Angebote sowie eine zukünftige Nationale Demenzstrategie beitragen.

Kontakt

Dr. Saskia Kuliga
PostDoc
Stockumer Str. 12
58453 
Witten
saskia.kuliga(at)dzne.de
+49 2302 926-245