Vom Postdoc am DZNE zum Juniorprofessor
Im Interview: Wissenschaftler Dr. Dr. Jose Bernal über seine Berufung an die FAU Erlangen-Nürnberg
Am 1. September 2025 hat Dr. Dr. Jose Bernal, bis vor kurzem Postdoktorand in der Forschungsgruppe von Prof. Emrah Düzel am DZNE in Magdeburg, eine Juniorprofessor für Artificial Intelligence in Biomedical Engineering (Digital Health) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) angetreten. Im Interview spricht Bernal, der aus Kolumbien stammt, über seinen Weg zur Juniorprofessur, die besonderen Herausforderungen des Auswahlverfahrens, seine Forschung zu Funktionsstörungen der kleinsten Blutgefäße im Gehirn mit Hilfe von Neuroimaging und modernster Computermethoden sowie seine Pläne für die Zukunft. Außerdem gibt der Informatiker Einblicke in die Unterstützung, die er am DZNE erfahren hat, und verrät, welche Programme und Netzwerke er anderen Forschenden empfiehlt.
Sie wurden zum Juniorprofessor an der FAU Erlangen berufen. Im deutschen Hochschulsystem ist „Juniorprofessor” eine bestimmte Karrierestufe. Können Sie kurz erklären, wie man Juniorprofessor wird? Was sind die typischen Schritte?
Innerhalb des akademischen Karrieresystems in Deutschland gibt es mehrere Wege, die Forschende zu einer Vollprofessur führen können, und Juniorprofessor zu werden, ist einer davon. Der Weg beginnt in der Regel mit einem ausgezeichneten Promotionsabschluss und einer hervorragenden Publikationsliste. In den folgenden zwei bis vier Jahren entwickeln Forschende auf Postdoktorandenstellen ein eigenständiges Forschungsprofil – sie akquirieren Drittmittel, bauen Kooperationen auf, lehren und sammeln idealerweise Erfahrungen an einer anderen Universität oder einem anderen Forschungszentrum. Wenn eine W-1-Juniorprofessur ausgeschrieben wird, können sich Forschende mit einem Dossier, also einem Bewerbungsportfolio, bewerben. Eine Berufungskommission prüft die eingereichten Unterlagen, lädt die in die engere Wahl gekommenen Kandidatinnen und Kandidaten zu einem wissenschaftlichen Vortrag und einer Lehrprobe ein, holt externe Gutachten ein und leitet eine Rangliste an den Senat der Universität und das Landesministerium weiter, die die formelle Berufung aussprechen. Die Berufung erfolgt in der Regel als Beamter auf Zeit für drei Jahre und ist noch einmal um drei Jahre verlängerbar, wobei Zwischen- und Abschlussbewertungen darüber entscheiden, ob die Stelle endet oder, wenn sie als „Tenure Track“ ausgewiesen ist, in eine unbefristete W-2- oder W-3-Professur übergeht. Die Lehrverpflichtung bleibt moderat, damit die Forschungsproduktivität, die Einwerbung von Drittmitteln und die Betreuung von Promovierenden im Vordergrund stehen können. Allen, die mehr über Professuren und das Bewerbungsverfahren in Deutschland erfahren möchten, kann ich das Buch „Bewerben auf Juniorprofessuren und Professuren” von Mirjam Müller sehr empfehlen.
Was hat Sie motiviert, sich für die Juniorprofessur zu bewerben?
Ich strebe eine Vollprofessur an – also eine Lehrtätigkeit an einer Universität und die Leitung einer eigenen Forschungsgruppe – und die Juniorprofessur hat mich diesem Ziel näher gebracht. Ein weiterer Motivationsfaktor – aus den falschen Gründen, wie sich herausstellte – war, dass ich mich schnell der gesetzlichen Grenze für eine Postdoc-Tätigkeit am DZNE gemäß dem WissZeitVG näherte, also dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz. Zum Hintergrund: Das WissZeitVG ist ein deutsches Gesetz, das die Dauer der Beschäftigung von wissenschaftlichen Mitarbeitenden unterhalb der Professorenebene mit befristeten Arbeitsverträgen aus öffentlichen Mitteln begrenzt. Ich musste also eine geeignete Weiterbeschäftigung finden, bevor meine Zeit im deutschen Hochschulsystem aufgrund dieses Gesetzes sozusagen zwangsweise zu Ende ging.
Wie haben Sie sich auf das Auswahlverfahren vorbereitet – insbesondere auf den Probevortrag, umgangssprachlich als „Vorsingen“ bezeichnet? Wie war der Probevortrag? Hat er sich von Ihren üblichen wissenschaftlichen Präsentationen unterschieden?
Das Auswahlverfahren für Juniorprofessuren und Professuren in Deutschland ist langwierig und anspruchsvoll und erfordert umfangreiche Vorbereitungen. Für die Bewerbung musste ich eine Vielzahl von Unterlagen zusammenstellen: die unkomplizierten Dokumente wie Lebenslauf, Publikationsliste, Angaben zu Drittmitteln und internationalen Kooperationen, aber auch solche, mit denen ich noch keine Erfahrung hatte und deren Vorbereitung daher am meisten Zeit in Anspruch nahm, wie die Lehr- und Forschungskonzepte. Bei der Vorbereitung beider Konzepte waren für mich zwei Strategien besonders hilfreich. Zum einen habe ich mich an andere gewandt, die denselben Prozess bereits durchlaufen hatten, da sie aus erster Hand wussten, wie diese Dokumente aufgebaut sein sollten und welche Inhalte am überzeugendsten sind. Zum anderen habe ich einen ersten Entwurf verfasst, diesen mit Freunden; Kolleginnen und Kollegen und Mentoren besprochen, um sicherzustellen, dass er glaubwürdig und fundiert ist, und dann ihr Feedback in weitere Überarbeitungen einfließen lassen. Das Vorstellungsgespräch bestand dann aus drei Teilen: einer 30-minütigen wissenschaftlichen Präsentation mit anschließender 15-minütiger Diskussion, einer 10-minütigen Lehrprobe mit anschließender 5-minütiger Diskussion und einer 50-minütigen Frage-und-Antwort-Runde mit der Berufungskommission. Der wissenschaftliche Vortrag ist in gewisser Hinsicht am einfachsten, da er sich auf vertraute Elemente konzentriert: das Gesamtbild der eigenen Forschung, bereits abgeschlossene Arbeiten und den gegenseitigen Austausch zwischen dem, was in die neue Forschungseinrichtung eingebracht wird, und dem, was man dort gewinnt – mehr oder weniger das, was bereits im Forschungskonzept skizziert wurde. Die Lehrprobe unterscheidet sich vom ersten wissenschaftlichen Vortrag dadurch, dass es sich im Wesentlichen um eine simulierte Lehrveranstaltung handelt, bei der ein Vortrag zu einem bestimmten Thema vor einem Publikum gehalten wird, das zwar teilweise aus W3-Professorinnen und -Professoren besteht, aber die Rolle der Studierenden übernimmt. Sie ist in der Regel interaktiver als der wissenschaftliche Vortrag, da Fragen gestellt, Videos gezeigt und das Publikum so weit wie möglich einbezogen werden soll. Sie dient auch als praktische Demonstration des im Lehrkonzept beschriebenen Ansatzes. Die abschließende Frage- und Antwort-Runde ist sehr intensiv, und meiner Meinung nach ist es unmöglich, sich darauf vollständig vorzubereiten. Die Fragen sind sehr unterschiedlich und decken ein breites Spektrum an Themen ab, Betreuung, Lehre, Problemlösung, Diversität und Inklusion, Finanzierung, Kooperationen sowie die allgemeine Vision und Mission. Um mich so gut wie möglich auf das Vorstellungsgespräch vorzubereiten, habe ich nicht nur erneut auf mein Unterstützungsnetzwerk zurückgegriffen, sondern auch mit einem Coach zusammengearbeitet, der mir half, die Erwartungen in dieser Phase zu verstehen. Unter ihrer Anleitung konnte ich sowohl die wissenschaftliche Präsentation als auch die Lehrdemonstration proben und an kurzen Probe-Frage-und-Antwort-Runden teilnehmen.
Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich in Ihrer Arbeit?
Meine Forschung ist stark interdisziplinär ausgerichtet und dreht sich um die die zerebrale Kleingefäßerkrankung, so nennen wir Störungen, die die Mikrogefäße, das sind die kleinsten Blutgefäße im Gehirn, betreffen. Diese Blutgefäße mögen zwar winzig sein, aber sie halten die Gehirnzellen am Leben und gesund – und wenn sie ihre Aufgabe nicht mehr richtig erfüllen können, kommt es zu schwerwiegenden Folgen wie Schlaganfall und Demenz. Derzeit beschäftige ich mich mit zwei Forschungsbereichen: Zunächst entwickle ich fortschrittliche computerbasierte Methoden für Magnetresonanzbilder zur Erkennung und Überwachung von Läsionen, also von Gewebeschädigungen im Gehirn, die durch zerebrale Kleingefäßerkrankungen verursacht werden. Anschließend wende ich diese Methoden in großem Umfang an, um festzustellen, wie diese Schädigungen entstehen und wie sie sich im Laufe der Zeit entwickeln, welche Faktoren zu ihrer Entstehung beitragen und in welchem Zusammenhang sie mit Altern und Demenz stehen. Mit dieser Arbeit möchte ich ein besseres Verständnis dafür schaffen, wie das Gehirn funktioniert – und was passiert, wenn es nicht funktioniert –, um letztendlich die Grundlage für neue Behandlungsmethoden zu schaffen.
Was wird der Schwerpunkt Ihrer zukünftigen Forschung in Ihrer neuen Position sein? Werden Sie auf Ihren bisherigen und aktuellen Arbeiten aufbauen oder sich neuen Themen zuwenden?
Am DZNE habe ich Läsionen untersucht, die mit der zerebralen Kleingefäßerkrankung in Zusammenhang stehen, einer recht häufigen Erkrankung, die bei älteren Menschen auftritt und die Funktionsfähigkeit der Mikrogefäße im Gehirn beeinträchtigt. Ich konnte generell zeigen, dass diese Schädigungen zwar in der Regel mit Störungen der Blutgefäße in Verbindung gebracht werden, aber auch mit anderen Erkrankungen wie Alzheimer zusammenhängen. Diese Arbeit trägt zum Verständnis dieser komplexen Erkrankung bei und könnte neue Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen. Ich habe mich insbesondere mit zwei Läsionen beziehungsweise Kennzeichen der zerebralen Kleingefäßerkrankung befasst, nämlich den perivaskulären Räumen und den Hyperintensitäten der weißen Substanz. Die sogenannten perivaskulären Räume sind normale körperliche Bereiche um die kleinen Blutgefäße im Gehirn herum. Sie sind so winzig, mikroskopisch klein, dass sie auf herkömmlichen Magnetresonanzbildern grundsätzlich nicht zu sehen sein sollten. Unter bestimmten Bedingungen sind sie jedoch sichtbar, und diese ungewöhnliche Sichtbarkeit ist seit vielen Jahren Gegenstand der Forschung, da man davon ausgeht, dass sie frühe zugrundeliegende Krankheitsmechanismen aufdecken könnten. In einer ersten Studie dieser Art haben wir festgestellt, dass Menschen, deren perivaskuläre Räume im Laufe der Jahre deutlicher sichtbar wurden, mehr Anzeichen dafür aufwiesen, dass sich in ihrem Gehirn „Abfallprodukte” angesammelt hatten, insbesondere Abfallprodukte, die mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung stehen. Mit anderen Worten: Wir haben festgestellt, dass die Überwachung der Sichtbarkeit perivaskulärer Räume ein Weg sein könnte, um einen Einblick in die Funktionsfähigkeit oder das Versagen des „Reinigungssystems” des Gehirns zu gewinnen. Da dieses System auch bei der Alzheimer-Krankheit beeinträchtigt ist, könnte die Untersuchung perivaskulärer Räume uns helfen, besser zu verstehen, was bei dieser Erkrankung schiefläuft und wie dies geschieht, und neue Wege für gezielte Behandlungen dieser Krankheit zu eröffnen. Während meiner Arbeit an diesem Projekt zu perivaskulären Räumen habe ich die Beteiligung des DZNE Magdeburg an dem sogenannten International Perivascular Space Meta-Analysis Consortium unterstützt – einer internationalen Initiative unter der Leitung von Prof. Joanna Wardlaw an der Universität Edinburgh, in der Forschende Daten aus vielen verschiedenen Studien weltweit zusammenführen können, um besser untersuchen zu können, woher diese Läsionen stammen und welche Folgen sie haben. Anhand von Daten von 4.171 Teilnehmern aus zehn europäischen und amerikanischen Kohorten stellte das Konsortium fest, dass Menschen mit mehr perivaskulären Räumen im Gehirn tendenziell schlechtere Ergebnisse bei kognitiven Tests erzielten, selbst unter Berücksichtigung ihres Alters, ihrer Bildung und ihrer Gefährdung durch kardiovaskuläre Risikofaktoren, also gesundheitliche Risiken für Herz und Blutkreislauf, sowie anderer Faktoren.
Hyperintensitäten der weißen Substanz sind Läsionen in der weißen Substanz des Gehirns, die mit MRT-Scans erkannt werden können. Sie sind im Zusammenhang mit zerebralen Kleingefäßerkrankungen gut untersucht, in der Alzheimer-Forschung jedoch weniger. Unsere Arbeit hat gezeigt, dass diese sogenannten vaskulären Läsionen auch mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung stehen und dass ihre Lage im Gehirn Hinweise auf ihre Ursache geben kann. In einer kürzlich von mir mitgeleiteten systematischen Überprüfung und Metaanalyse, in der die Ergebnisse von 75 Studien zusammengefasst wurden, haben wir festgestellt, dass Hyperintensitäten der weißen Substanz einen deutlichen Unterschied zwischen Menschen mit guter kognitiver Leistungsfähigkeit und solchen, die bereits unter kognitiven Problemen oder Demenz im Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit leiden, erkennen lassen. Mithilfe hochentwickelter Analysemodelle konnten wir außerdem nachweisen, dass Menschen ohne messbare kognitive Beeinträchtigungen, bei denen im Laufe der Zeit vermehrt Hyperintensitäten der weißen Substanz auftraten, eine Schrumpfung der grauen Substanz aufwiesen. Einfach ausgedrückt: Was in der weißen Substanz geschieht, hat Auswirkungen auf die graue Substanz – und umgekehrt. Diese Studien weisen auf einen wichtigen Ansatz hin: Verletzungen der weißen Substanz gehen möglicherweise nicht einfach mit der Alzheimer-Krankheit einher, wie oft angenommen wird, sondern könnten tatsächlich eine Folge der durch Alzheimer verursachten Hirnschäden sein. Gleichzeitig unterstreichen unsere Ergebnisse aus gutem Grund eine praktische Empfehlung: Obwohl die Kontrolle des Blutdrucks und der Verzicht auf das Rauchen bekannte Eckpfeiler der kardiovaskulären Gesundheit sind, zeigen unsere Ergebnisse, dass diese Maßnahmen ebenso wichtig sind, um das Gehirn zu schützen und seine Integrität über einen längeren Zeitraum zu erhalten, wodurch langfristig die kognitiven Fähigkeiten erhalten bleiben.
In meiner neuen Funktion als Juniorprofessor an der FAU werde ich mich weiterhin mit perivaskulären Räumen und Hyperintensitäten der weißen Substanz befassen und meinen Fokus auf andere Anzeichen für zerebrale Kleingefäßerkrankungen ausweiten, wie z. B. zerebrale Mikroblutungen – Risse in den Blutgefäßen des Gehirns, die das Risiko für Schlaganfälle, Demenz und Mortalität erhöhen. Meine Arbeit wird weiterhin stark interdisziplinär geprägt sein: Auf der Forschungsebene der Informatik werde ich weiterhin spezielle Methoden entwickeln, um die Erkennung solcher Schäden zu verbessern. Derzeit sind die öffentlich verfügbaren Methoden begrenzt, und die vorhandenen Verfahren erfordern oft umfangreiche Anpassungen, Optimierungen der Parameter oder Nachschulungen, bevor sie erfolgreich auf neue Datensätze angewendet werden können. Mein Ziel ist es, praktische Lösungen zu entwickeln, die über den Proof-of-Concept, also den Machbarkeitsnachweis, hinausgehen und sich der Nutzung in Klinik und Forschung annähern. Auf der Forschungsebene der Medizin werde ich diese Entwicklungen nutzen, um ein quantitatives, umfassendes Profil der Integrität der Hirngefäße zu erstellen, d. h. ein genaues, datenbasiertes Bild davon, wie gesund und funktionsfähig die kleinen Blutgefäße im Gehirn sind. In naher Zukunft könnte dieses Profil unter anderem als Grundlage für Mediziner dienen, um Entscheidungen darüber zu treffen, ob Patienten für eine Beta-Amyloid-Immuntherapie geeignet sind.
Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Juniorprofessur gesetzt – wissenschaftlich und persönlich?
Wie bereits erwähnt, dient die Juniorprofessur als Zwischenstufe zwischen einer Postdoc-Stelle und einer W-2/W-3-Professur und ist daher zeitlich begrenzt. Mein Ziel ist es, die notwendigen Erfahrungen zu sammeln, um mich auf die nächste Stufe vorzubereiten.
Worauf freuen Sie sich am meisten?
Am meisten freue ich mich auf die Möglichkeit, meine eigene Forschungsgruppe aufzubauen, meine Unabhängigkeit weiter zu stärken und meine Aufgaben und Erfahrungen zu erweitern – nicht nur in der Forschung, sondern auch in leitender, administrativer und lehrender Funktion. Ich freue mich auch auf eine neue Zusammenarbeit mit Siemens Healthineers zur computergestützten Messung von Mikroblutungen im Gehirn. Diese Partnerschaft wird klinisches Bildgebungs-Know-how und industrielles Know-how in der Bildanalyse zusammenbringen und mich bei meinem Ziel unterstützen, Verfahren zu entwickeln, die robust genug für die klinische Anwendung und den großflächigen Einsatz sind. Insgesamt wird mir dies ermöglichen, neue, größere Ideen zu verfolgen, die nächste Generation von Fachleuten und Forschenden zu betreuen, neue Kooperationen zu schaffen, die den Rahmen und die Bedeutung meiner Arbeit erweitern, und mich besser auf eine zukünftige Vollprofessur vorzubereiten.
Gab es Mentoren, Kollegen oder Teams am DZNE, die Sie nachhaltig geprägt haben?
Während meiner Zeit in den Arbeitsgruppen von Gabriel Ziegler und Emrah Düzel hatte ich das seltene Privileg, Themen, die mich persönlich interessierten, frei zu erforschen und im Laufe der Zeit weiterzuentwickeln. Diese akademische Freiheit trug entscheidend dazu bei, die Unabhängigkeit zu fördern, die ich mir bei meinem Eintritt in das DZNE gewünscht hatte. Meine Erfahrung wurde durch die außergewöhnlichen Kolleginnen, Kollegen und Freunde in Magdeburg bereichert, deren unerschütterliche Unterstützung und Vertrauen mir sowohl beruflich als auch persönlich geholfen haben, mich weiterzuentwickeln. Besonders dankbar bin ich Inga Menze und Svenja Schwarck, deren Freundlichkeit und Unterstützung meine Zeit am DZNE – und in Deutschland – einfacher, glücklicher und wirklich unvergesslich gemacht haben. Ohne ihre Hilfe bei der Auseinandersetzung mit meinem Vermieter wegen der kaputten Dusche und ihre Ermutigung, mein Deutsch anzuwenden, wäre mein Leben in Deutschland viel schwieriger gewesen – haha.
Mein besonderer Dank gilt Stefanie Schreiber, meiner informellen Mentorin, und ihrem Team, die mich von Anfang an herzlich aufgenommen und mir ihr Vertrauen geschenkt haben. Diese Offenheit hat nicht nur meine Kooperationsnetzwerke gestärkt, sondern mir auch ermöglicht, meine interdisziplinäre Sichtweise weiterzuentwickeln. Auch die Arbeit von Silke Thul und Britta Dorn im DZNE Career Center schätze ich sehr. Während meiner gesamten Zeit dort hatte ich das Gefühl, dass es ihre Zielsetzung war, mich in meiner beruflichen Entwicklung zu unterstützen und mich auf zukünftige Chancen vorzubereiten – auch wenn diese Chancen außerhalb des DZNE lagen. Schließlich bin ich Anett Kirmess für ihre unschätzbare Hilfe in administrativen Angelegenheiten sehr dankbar; ohne ihre Unterstützung wäre der Umgang mit der Bürokratie eine gewaltige Herausforderung gewesen.
Gibt es Netzwerke, Programme oder Möglichkeiten wie z. B. die DFG, EU-Drittmittel oder das DZNE Career Center, die Sie anderen empfehlen würden?
Ich bin ein großer Fan der Fortbildungen des DZNE Career Centers und würde jedem am DZNE wärmstens empfehlen, diese zu nutzen. Allen, die Inspiration, praktische Tools, Mentoring und einen klareren Fahrplan für die Frage „Was muss ich als Nächstes tun, um meine Ziele zu erreichen?“ suchen und gleichzeitig Kontakte zu gleichgesinnten Forschenden knüpfen möchten, die sich auf die nächste Stufe ihrer Karriere in der Wissenschaft oder Industrie vorbereiten, kann ich das Grant Writing Bootcamp und das Excellence in Science-Programm wärmstens empfehlen. Diese beiden Programme sind hervorragend, und das Wissen, die Fähigkeiten und die Unterstützung, die ich dort erworben habe, waren entscheidend für die Berufung auf diese Juniorprofessur.
Wenn Sie zurückblicken: Welchen Rat würden Sie anderen Postdocs geben, die über eine Bewerbung für eine Professur nachdenken?
Dazu drei Tipps: Erstens ist der Aufbau eines starken Profils für eine Karriere in der Wissenschaft oder Industrie ein langfristiger Prozess. Je früher man beginnt, die Anforderungen und den Zeitrahmen zu verstehen und sich entsprechend vorzubereiten, desto besser. Dies gilt insbesondere für nicht-europäische Forschende wie mich, deren Verbleib im Land davon abhängt, ob sie eine Stelle finden oder nicht. Zweitens kann man gar nicht genug betonen, wie wichtig es ist, sich während der Postdoc-Zeit ein starkes Netzwerk aufzubauen, um den nächsten Schritt zu machen – egal, wie dieser aussieht. Drittens ist es genauso wichtig, mit inneren Dämonen wie dem Imposter-Syndrom zu kämpfen. Auch wenn sie vielleicht nie ganz verschwinden, sollten sie einen nicht davon abhalten, sich zu bewerben oder zum Vorstellungsgespräch zu gehen. Nur wer sich bewirbt, hat eine Chance auf den Job – wer es nicht tut, hat keine.
September 2025 / Das Interview führte Dr. Christine Knust.