Prof. Frank Bradke ist neues Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste
Biochemiker und Neurobiologe des DZNE erforscht die Entwicklung und Regeneration von Nervenzellen
Der Neurobiologe Frank Bradke, Forschungsgruppenleiter am DZNE und Professor an der Universität Bonn, wurde am 14. Mai 2025 feierlich als neues Mitglied in die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste aufgenommen: Die Gelehrtengesellschaft berief ihn in die sogenannte Klasse für Naturwissenschaften und Medizin. In Düsseldorf erhielt Prof. Bradke seine Mitgliedsurkunde im Rahmen der Jahresfeier der Akademie. Rund 400 Gäste, darunter auch die nordrhein-westfälische Ministerin für Kultur und Wissenschaft, Ina Brandes, nahmen an den Feierlichkeiten teil. Die Auszeichnung würdigt Frank Bradkes herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Entwicklung und Regeneration von Nervenzellen. Der Bonner Grundlagenforscher möchte mit seinen Untersuchungen den Weg für eine bessere Behandlung von Rückenmarksverletzungen bereiten. Für seine bedeutende Forschung wurde er schon mehrfach ausgezeichnet.
Prof. Bradke leistet Beiträge zum Verständnis der Prozesse, die das Wachstum von Nervenzellen und deren Fortsätzen, sogeenannten Axonen, steuern, und entschlüsselt molekulare und zelluläre Mechanismen, die zur Regeneration von Neuronen im Zentralnervensystem beitragen können. Seine Forschungserkenntnisse sind vor allem für Menschen mit einer Querschnittslähmung von großem Interesse: Während sich Nervenzellen in anderen Regionen des menschlichen Körpers, etwa in den Gliedmaßen, nach einer durch einen Unfall oder eine Krankheit verursachten Schädigung bis zu einem gewissen Grad erholen können, gilt das für die Nervenzellen des Gehirns und Rückenmarks nicht. Warum ist das so und gibt es nicht vielleicht doch Möglichkeiten, um auch diese Nervenzellen in die Lage zu versetzen, sich zu regenerieren? Diese Fragen versucht Frank Bradke zusammen mit seiner Arbeitsgruppe am DZNE in Bonn zu beantworten. Der Molekularbiologe schafft mit seiner Forschung somit die Grundlagen für neuartige Therapien, mit denen Patientinnen und Patienten mit einer Querschnittslähmung möglicherweise in Zukunft behandelt werden können.
Meldung der Uni Bonn vom 15. Mai 2025
Meldung der Akademie vom 15. Mai 2025
Über den Preisträger: Frank Bradke (Jahrgang 1969) studierte Biochemie an der Freien Universität Berlin und dem University College London. Während seiner Dissertation forschte er am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg. Danach arbeitete er als Postdoc an der University of California in San Francisco und der University of Stanford. Von 2003 bis 2011 leitete er eine Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried. Im Jahre 2009 habilitierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2011 ist Bradke ordentlicher Professor an der Universität Bonn und Leiter der Arbeitsgruppe „Axonales Wachstum und Regeneration“ am DZNE-Standort Bonn. Er ist gewähltes Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Academia Europaea und der Europäischen Organisation für Molekularbiologie (EMBO). Im Jahre 2016 wurde Bradke mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet – dem wichtigsten Forschungspreis Deutschlands. 2018 erhielt er den Roger De Spoelberch-Preis, der von der gleichnamigen Schweizer Stiftung verliehen wird. 2021 wurde er mit der Carl Zeiss Lecture der Deutschen Gesellschaft für Zellbiologie ausgezeichnet. 2023 erhielt er den Remedios Caro Almela Prize for Research in Developmental Neurobiology, der vom Institut für Neurowissenschaften im spanischen Alicante gemeinsam mit Partnern verliehen wird. Im Jahr 2024 erhielt Frank Bradke den Akademiepreis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Im gleichen Jahr wurde er in das Henriette-Herz-Scouting-Programm der Alexander von Humboldt-Stiftung berufen, was ihm die Möglichkeit gibt, talentierte Forscherinnen und Forscher aus dem Ausland für ein renommiertes Humboldt-Forschungsstipendium vorzuschlagen.
Über die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste: Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und Künste wurde 1970 gegründet. Zusätzlich zu den Wissenschaften integriert sie als einzige deutsche Akademie seit 2008 auch die Künste unter ihrem Dach. Aufgenommen werden ausschließlich exzellente Forschende und Kunstschaffende. Die Mitglieder pflegen den wissenschaftlichen Dialog untereinander ebenso wie den Austausch mit Forschungs- und Kultureinrichtungen im In- und Ausland. Gewählt werden kann nur, wer sich nach der Satzung „durch wissenschaftliche oder künstlerische Leistungen ausgezeichnet hat“. Derzeit hat die Akademie rund 280 ordentliche und knapp 130 korrespondierende Mitglieder.
Mai 2025