Rendezvous von Hirnforschung und Klassik
„Music & Brain“ in der Bonner Bundeskunsthalle
Rund 400 Zuschauerinnen und Zuschauer erlebten am Sonntag eine Spezialausgabe von „Music & Brain“ im Forum der Bundeskunsthalle. Das Programm bot diesmal in der Tat ganz besondere Highlights: denn zusätzlich zum Projektorchester und Chor des Universitätsklinikums Bonn (UKB) hatte sich auch ein Ensemble des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BRSO) zu einem musikalischen Stelldichein mit dem Bonner Publikum eingefunden. Dargeboten wurden Werke unter anderem von Carl Philipp Emanuel Bach, Georg Philipp Telemann und Ludwig van Beethoven. Den stimmungsvollen Abschluss setze Brahms’ „Ungarischer Tanz“ – unter der Leitung des weltbekannten Dirigenten Daniel Harding.
Die Wissenschaft kam auch nicht zu kurz: Gastgeberin Dr. Sabine Helling-Moegen, Administrative Vorständin des DZNE, hob in ihrer Begrüßung die Bedeutung der privaten Forschungsförderung hervor. Prof. Joachim Schultze, Direktor für Systemmedizin am DZNE, plädierte in seinem Vortrag für eine „Dekade der Gehirngesundheit“ und eine bessere Nutzung medizinischer Daten auf der Suche nach Therapien gegen Demenz und anderen Folgen von Neurodegeneration. Der Neurologe Prof. em. Eckart Altenmüller, ehemaliger Direktor des Instituts für Musikphysiologie und Musikermedizin an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, berichtete im Anschluss über die Wirkung von Musik auf das Gehirn – die sich auch bei der Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen als günstig erweist.
Überdies gab es – live auf der Bühne – allerneueste wissenschaftliche Daten, die nur wenige Stunden zuvor per Hirnscanner ermittelt wurden: Denn am Nachmittag hatten sich neben dem Dirigenten Daniel Harding auch mehrere Mitglieder des BRSO auf eine Untersuchung ihrer Gehirne eingelassen. Und das nicht ohne Grund. Studien haben nämlich gezeigt, dass die Gehirne von Profi-Musikerinnen und -Musikern Besonderheiten aufweisen: etwa in jenen Bereichen, die für die Feinmotorik verantwortlich sind. Würde sich solche Merkmale auch in dieser kleinen Stichprobe zeigen? So war es in der Tat – wie Prof. Alexander Radbruch, Direktor der Klinik für Neuroradiologie am UKB und Leiter des Forschungsschwerpunkts „Human Imaging“ am DZNE in seiner Präsentation erläuterte.
Weitere Einblicke in das Zusammenspiel von Musik und Gehirn gewährte eine Gesprächsrunde mit der Harfenistin Magdalena Hoffmann, Tenor Andrew Staples, Daniel Harding und Eckart Altenmüller – moderiert vom WDR-Journalisten Uwe Schulz, der auch durch den Abend führte.
Die nächste Ausgabe von „Music & Brain“ – dann wieder im normalen Rahmen – findet am 30. Juni im Hörsaal des DZNE auf dem Venusberg statt.
März 2025