Koffein gegen Hirnschäden bei Neugeborenen: Dr. Maria Eugenia Bernis (AG Sabir) mit 1. Wissenschaftspreis der GNPI 2025 geehrt
Die Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI) hat Dr. Maria Eugenia Bernis, Postdoc in der AG Neonatale Neurowissenschaften von Prof. Hemmen Sabir, vor kurzem mit ihrem 1. Wissenschaftspreis 2025 ausgezeichnet. Die Auszeichnung ist mit 3.000 Euro dotiert. Gewürdigt wurde Bernis als Erstautorin für ihre Forschungsarbeit „The Neuroprotective Effects of Caffeine in a Neonatal Hypoxia-Ischemia Model are Regulated through the AMPK/mTOR Pathway“. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift International Journal of Biological Sciences veröffentlicht (zur Publikation).
Koffein rettet Gehirnzellen
In ihrer Studie untersuchte Dr. Bernis ein Thema von großer klinischer Relevanz: Hypoxisch-ischämische Enzephalopathie (HIE) – eine der häufigsten Ursachen für den Tod und bleibende Behinderung bei Neugeborenen. Dabei handelt es sich um eine Schädigung des Gehirns durch Sauerstoffmangel und mangelnde Durchblutung rund um die Geburt. Denn selbst nach einer unkomplizierten Schwangerschaft kann es unter der Geburt zu unerwarteten Risiken kommen. Sauerstoffmangel zählt zu den häufigsten, wenn auch sehr seltenen, Komplikationen.
In einem Tiermodell mit neugeborenen Ratten konnte Dr. Bernis zeigen, dass Koffein auch nach einem solchen Ereignis neuroprotektive Wirkungen entfalten kann, also eine Wirkung, die Nervenzellen schützt. Entscheidend dabei: Eine gezielte tägliche Gabe von 40 mg/kg Koffein über drei Tage führte zu deutlich weniger Hirngewebeschäden und verringerter Entzündungsreaktion im Gehirn. Koffein hat entzündungshemmende Wirkungen und wird seit Jahrzehnten in neonatologischen Intensivstationen hauptsächlich zur Behandlung der Apnoe (Atemaussetzern) bei frühgeborenen Babys eingesetzt. Bernis' Erkenntnisse eröffnen zusätzliche Anwendungsfelder – auch für termingerecht entbundene Neugeborene mit HIE.
Molekularer Schutzmechanismus entschlüsselt
Ein besonderer Fokus von Dr. Bernis' Studie lag auf dem molekularen Wirkmechanismus. Dabei rückte der sogenannte AMPK/mTOR-Signalweg in den Mittelpunkt – eine Art Stress-Sensor im Zellstoffwechsel: Dr. Bernis konnte zeigen, dass dieser Signalweg wesentlich an der Reaktion des Gehirns auf Sauerstoffmangel beteiligt ist – und dass Koffein ihn gezielt beeinflusst, wodurch es einen neuroprotektiven Effekt bei Sauerstoffmangel auslöst.
Neue Hoffnung für Neugeborene weltweit
Dr. Bernis' Ergebnisse liefern einen konkreten Ansatzpunkt für zukünftige Therapien, die das Risiko langfristiger Schäden bei neugeborenen Babys nach einem HIE-Ereignis reduzieren könnten – insbesondere in Ländern mit begrenzten medizinisch-technischen Ressourcen, in denen neuroprotektive Maßnahmen bislang kaum umsetzbar sind.
Maria Eugenia Bernis trägt mit ihrer Forschung nicht nur dazu bei, die zellulären Schutzmechanismen des Gehirns besser zu verstehen – sie ebnet auch den Weg für einfache und wirksame Therapien in der Neonatologie, die dazu beitragen könnten, die Säuglingssterblichkeit weltweit zu senken.
Juni 2025