Pharmakoepidemiologie bei Neurodegenerativen Erkrankungen
Prof. Dr. Britta Hänisch
Gruppenleiterin
Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3
53175 Bonn

britta.haenisch@dzne.de
 +49 228 99307 5721

Forschungsschwerpunkte

Multimorbidität und Polypharmazie erhöhen das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen. Viele Arzneimittel beeinflussen auch kognitive Prozesse. Im Rahmen der pharmakoepidemiologischen Auswertungen der Arbeitsgruppe werden daher Effekte von unterschiedlichen Arzneimitteltherapien auf Aspekte wie kognitive Leistungsfähigkeit, Stürze und Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen untersucht. Die zurzeit bei Demenz eingesetzten Arzneistoffe können keine dauerhafte Verbesserung der Symptome oder Heilung bewirken. Daher ist es wichtig, modifizierbare Risikofaktoren und Interventionen zu detektieren, die den Krankheitsverlauf beeinflussen können. Somit ist auch ein sogenanntes drug repositioning möglich. Ziel ist es, die Arzneimitteltherapie im Hinblick auf Wirksamkeit und Sicherheit besser beurteilen zu können und besondere Risikokonstellationen beim Einsatz unterschiedlicher Behandlungssettings zu erkennen. Damit trägt die Pharmakoepidemiologie zur Arzneimitteltherapiesicherheit bei. Dieser Ansatz kann gleichzeitig als Grundlage für zukünftige gesundheitspolitische Entscheidungen dienen.

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Für die Auswertungen verwenden wir unterschiedliche Datenquellen, die sowohl Primär- als auch Sekundärdaten umfassen. Zu den Primärdaten gehören longitudinale Kohortenstudien. Diese zeichnen sich durch eine große Datentiefe aus. Eine detaillierte Dokumentation von soziodemographischen Parametern, Kognition, Komorbiditäten, Medikation, Laborwerten, Bildgebungsdaten und genetischen Daten erlaubt umfangreiche pharmakoepidemiologische Analysen. Einflussfaktoren für Kognitionsverlust und Demenz können identifiziert und Möglichkeiten für eine individualisierte Therapie aufgezeigt werden. Eine weitere Datenquelle sind Sekundärdaten, sogenannte Routinedaten, von Krankenkassen. Diese Daten enthalten Variablen wie Medikation, Diagnosen und Inanspruchnahme von ambulanten und stationären Leistungen, wodurch pharmakoepidemiologische Analysen populationsbasiert mit einem sehr großen Stichprobenumfang möglich sind. Die Einbeziehung von Daten aus der angewandten klinischen Forschung sowie von Routinedaten erlaubt es, das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Arzneistoffen sowie die Wirksamkeit des Arzneimittelgebrauchs detailliert zu untersuchen.

Schlüsselpublikationen

Nadine Janis Pohontsch, Kathrin Heser, Antje Löffler, Britta Haenisch, Debora Parker, Tobias Luck, Steffi G. Riedel-Heller, Wolfgang Maier, Frank Jessen, Martin Scherer. General practitioners’ views on (long-term) prescription and use of problematic and potentially inappropriate medication for oldest-old patients - A qualitative interview study with GPs (CIM-TRIAD study). BMC Family Practice. 2017 Feb 16; 18 doi: 10.1186/s12875-017-0595-3
Anna Papazoglou, Julien Soos, Andreas Lundt, Carola Wormuth, Varun Raj Ginde, Ralf Müller, Christina Henseler, Karl Broich, Kan Xie, Dan Ehninger, Britta Haenisch, Marco Weiergräber. Gender-Specific Hippocampal Dysrhythmia and Aberrant Hippocampal and Cortical Excitability in the APPswePS1dE9 Model of Alzheimer's Disease. Neural Plasticity. 2015 Dec 31; 2016 doi: 10.1155/2016/7167358
Willy Gomm, Klaus Von Holt, Friederike Thomé, Karl Broich, Wolfgang Maier, Klaus Weckbecker, Anne Fink, Gabriele Doblhammer, Britta Haenisch. Regular Benzodiazepine and Z-Substance Use and Risk of Dementia: An Analysis of German Claims Data. Journal of Alzheimer's Disease. 2016 Sep 05; 54:801-808. doi: 10.3233/JAD-151006
Gomm W, von Holt K, Thome F, et al. Association of Proton Pump Inhibitors With Risk of Dementia: A Pharmacoepidemiological Claims Data Analysis. JAMA Neurol. 2016 Jan 01; 73:410-416. doi: 10.1001/jamaneurol.2015.4791
Huber, Blumberg, Chatterjee, Haenisch, Schlosser-Weber, Broich. Drug safety: Challenge in an aging society. Nervenarzt. 2014 Nov 11; 85:1352-1362. doi: 10.1007/s00115-014-4088-5

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