Neuropsychologie
Prof. Dr. Michael Wagner
Leiter Kooperations-Einheit
Neuropsychologie
Leiter Arbeitsbereich Neurospychologie der Klinik für Psychatrie und Psychotherapie
Sigmund-Freud-Str. 25
53105 Bonn

michael.wagner@dzne.de
 +49 228 287-16377

Forschungsschwerpunkte

Die Alzheimerkrankheit hat einen langen, klinisch stummen Frühverlauf, bis die voran schreitenden neuronalen Schädigungen zu neuropsychologisch klar fassbaren Defiziten führen. Bevor dieses Stadium der leichten kognitiven Störung (MCI) erreicht ist, treten bei der Alzheimerkrankheit subtile, fluktuierende und im Alltag meist noch kompensierbare Störungen (SCD) auf. Diese können von den Betroffenen erlebt und berichtet werden und führen oft zu einem ersten diagnostischen Kontakt. Die Abgrenzung normaler Altersprozesse von frühen krankheitsbedingten Störungen ist allerdings schwierig. Wir verfolgen daher neue methodische Ansätze, um pathologisch bedingte objektive und auch subjektive kognitive Störungen besser zu erfassen. Mit assoziativen Gedächtnisaufgaben, die von der Alzheimererkrankung früh betroffene Hirnregionen prüfen, fanden wir auch bei Patienten mit SCD deutliche kognitive Störungen (Koppara et al. 2015 (PubMed LINK), Polcher et al. 2017 (Pubmed LINK). Auch haben wir zur Konzeptualisierung und Messung von SCD beigetragen (Jessen et al. 2014, Buckley et al. 2015, Pubmed LINKS).  Zusammen mit Emrah Düzels Magdeburger DZNE Gruppe entwickeln und testen wir computerisierte und mobile neuropsychologische Testmethoden. Die Weiterentwicklung einer Beurteilungsskala für AD-typische subjektive Störungen und die automatisierte Analyse von Sprachaufzeichnungen sind weitere innovative  Forschungsthemen.

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Wir befassen uns nicht nur mit der Erhebung, sondern auch mit der statistischen Analyse kognitiver Daten, z.B. werden mittels konfirmatorischer Faktorenanalyse zahlreiche neuropsychologische Einzelparameter zu besser interpretierbaren und präziseren kognitiven Domänen-Werten integriert. Latente Variablen, die kognitive und funktionale Leistungen miteinander verknüpfen, können aus unterschiedlichen Testbatterien extrahiert werden und zeigen sich als besonders sensitiv für krankheitsbezogene Faktoren (Koppara et a. 2016 LINK). Solche Methoden ermöglichen auch die Integrative Datenanalyse von DZNE-Studien zusammen mit anderen internationalen Studien.

Das Ziel dieser Analysen ist – neben der Bereitstellung von aggregierten und validierten neuropsychologischen Parametern für andere Wissenschaftler – die Identifikation von Schutz- und Risikofaktoren für den kognitiven Abbau. Insbesondere interessieren uns Aspekte der kognitiven Reserve (z.B. anamnestisch erfragte berufliche Anforderungen im mittleren Lebensalter) und der Ernährung. Wir prüfen etwa den Zusammenhang einzelner Nahrungskomponenten bzw. von Ernährungsmustern mit strukturellen und funktionellen Maßen der Hirngesundheit. Möglicherweise eröffnen sich dadurch Chancen für eine Modifikation des kognitiven Abbaus auch bei Patienten mit SCD oder MCI.

Ein wichtiger Aufgabenbereich ist schließlich die methodische Beratung bei der Planung und qualitätsgesicherten Durchführung von Beobachtungs- und Interventionsstudien im DZNE.

Schlüsselpublikationen

Miebach L, Wolfsgruber S, Frommann I, Buckley R, Wagner M. Different Cognitive Complaint Profiles in Memory Clinic and Depressive Patients. Am J Geriatr Psychiatry. 2018 Jan 01; 26:463-475. doi: 10.1016/j.jagp.2017.10.018
Alexandra Polcher, Ingo Frommann, Alexander Koppara, Steffen Wolfsgruber, Frank Jessen, Michael Wagner. Face-Name Associative Recognition Deficits in Subjective Cognitive Decline and Mild Cognitive Impairment. Journal of Alzheimer's Disease. 2016 Dec 31; 56:1185-1196. doi: 10.3233/JAD-160637
Wolfsgruber S, Jessen F, Koppara A, Kleineidam L, Schmidtke K, ..., Wagner M. Subjective cognitive decline is related to CSF biomarkers of AD in patients with MCI. Neurology. 2015 Mar 24; 84:1261–8. doi: 10.1212/WNL.0000000000001399
Wagner, Wolf, Reischies, Daerr, Wolfsgruber, Jessen, Popp, Maier, Hüll, Frölich, Hampel, Perneczky, Peters, Jahn, Luckhaus, Gertz, Schröder, Pantel, Lewczuk, Kornhuber, Wiltfang. Biomarker validation of a cued recall memory deficit in prodromal Alzheimer disease. Neurology. 2012 Feb 06; 78:379-386. doi: 10.1212/WNL.0b013e318245f447
Wolfsgruber S, Polcher A, Koppara A, Kleineidam L, Frölich L, …, Wagner M. Cerebrospinal Fluid Biomarkers and Clinical Progression in Patients with Subjective Cognitive Decline and Mild Cognitive Impairment. J Alzheimers Dis. 2017 Jan 01; 58:939-50. doi: 10.3233/JAD-161252

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