Populationsforschung am DZNE

Ein wichtiger Schwerpunkt des DZNE, zusätzlich zur Grundlagenforschung und der klinischen Forschung, ist die Populationsforschung. Diese untersucht in erster Linie die Ursachen und Prävention von Krankheiten mit dem Ziel der Verbesserung der Gesundheit. Unter dem Dach der “populationsbezogenen Gesundheitsforschung” sind eine Reihe von Disziplinen versammelt: Epidemiologie, Demographie, Gesundheitswissenschaften und gesundheitspolitische Forschung. Trotz unterschiedlicher Ausrichtung der Forschungsdisziplinen ist das gemeinsame Ziel das Verständnis, die Erhaltung und die Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung und des Individuums.

Direktorin für Gesundheitsbezogene Populationsstudien, Prof. Monique M.B. Breteler. Quelle: DZNE / laubertphoto

Bis zur Gründung des DZNE gab es in Deutschland praktisch keine epidemiologische Forschung im Bereich der neurodegenerativen Erkrankungen. In enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, bestehend aus mehreren Fakultäten der Universität Bonn sowie anderen Forschungseinrichtungen der Region, bauen Professor Breteler und ihr Team diesen Forschungsbereich am DZNE-Standort Bonn auf. Zu diesem Zweck wird die Rheinland Studie, eine prospektive Kohortenstudie, etabliert. An der Rheinland Studie sollen bis zu 30.000 Menschen, mit einem Alter ab 30 Jahren oder älter aus drei definierten Gebieten in und um Bonn, teilnehmen. Alle deutschsprechenden Einwohner, passende Vorbedingung wie Altersbereich und Wohnort vorausgesetzt, werden eingeladen, an der Studie teilzunehmen. Die Studie wird als single-center-Studie koordiniert. Ihr werden drei voll ausgestattete Studienzentren für die Untersuchungen der Studienteilnehmer zur Verfügung stehen. Bonn-Beuel, eine stablile Wohngegend am rechten Rheinufer, wurde als erstes Rekrutierungsgebiet etabliert. Die Standorte der restlichen Zentren werden derzeit ausgewählt. Die Datenerhebung fokussiert auf quantitativen und objektiven Messungen. Kernelemente dieser Untersuchungen sind umfangreiche strukturelle und funktionelle Bildgebung des Gehirns, mittels der drei zur Verfügung stehenden 3T-Kernspintomographen (MRT). Außerdem liegt ein Fokus auf der Untersuchung der kognitiven Leistung. Schwerpunkte liegen sowohl auf der Beurteilung der verschiedenen Aspekte der Gedächtnisfunktion und Exekutivfunktionen, als auch auf einem breiteren Spektrum kognitiver Funktionen, die von neurodegenerative Prozessen betroffen sein können, einschließlich Intelligenz, Urteilsvermögen, Lernen, Denken und Wahrnehmung. Des Weiteren werden umfassend Biomaterialien (wie Blut, Zellen, Urin und soweit möglich Rückenmarksflüssigkeit) gesammelt. Darüber hinaus werden die Daten mit detaillierten Untersuchungen anderer Organsysteme, insbesondere die Herz-Kreislauf-, Nieren-, Immun-, Stoffwechsel- und sensorische Systeme, ergänzt. Ziel ist es pro Jahr etwa 10.000 Teilnehmer zu untersuchen. Der erste Durchlauf aller Untersuchungen dauert etwa drei Jahre. Nach der Erstuntersuchung stellen sich die Teilnehmer in einem Drei-Jahres-Rhythmus wieder vor. Dies wird durch ein kontinuierlichs Monitoring, mittels Daten des Einwohnermeldeamts und Zwischenkontakten, ergänzt.

Demografieforschung mit ihrem Schwerpunkt auf den Ursachen und Folgen von Bevölkerungsveränderungen in Größe und Struktur wird am DZNE-Standort  Rostock/Greifswald unter der Leitung von Frau Professor Dr. Gabriele Doblhammer-Reiter in enger Zusammenarbeit mit dem Max Planck Institut für Demografieforschung durchgeführt. Die Arbeitsgruppe nutzt sozialwissenschaftliche Bevölkerungsumfragen, um gesellschaftliche Ursachen und Konsequenzen einer Verschlechterung kognitiver Funktionen und das Auftreten von Demenz zu verstehen. Der spezielle Fokus liegt dabei auf den Einflussfaktoren aus Kindheit und Jugend in Bezug auf kognitive Funktionen im Alter. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Versorgungsmaßnahmen im Kontext der Europäischen Sozialstaaten. Grundlage für diese Analysen ist das Europäische Umfrageprojekt SHARE (Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe), das in elf europäischen Ländern durchgeführt wird. Der Fokus liegt dabei auf familiären Ursachen, Betreuungsmaßnahmen, dem sozialen Sicherungssystem sowie auf Gesundheit und kognitiven Funktionen. Die von der Forschungsgruppe erhobenen Daten sind entscheidend für alle Prognosemodelle für demenzbedingte Anforderungen an Gesundheitssysteme. Neben der Arbeitsgruppe in Rostock leitet Professor Doblhammer-Reiter ein DZNE Team in Bonn, das ein Krankheitsmonitoring (NeuroDiseaseMonitor) mit wichtigen epidemiologischen Maßzahlen zu den häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen auf Basis von Krankenversicherungsdaten für die Forschung und die interessierte Öffentlichkeit zur Verfügung stellt.