LRRK2: Ein Gen, das hinter Gehirn-Entzündungen bei Parkinson steckt

Fast zwölf Jahre lang suchten die Forscherinnen und Forscher nach der Gen-Mutation, die bei einer asiatischen Familie die Parkinson-Krankheit auslöst, bei der fast alle Mitglieder erkrankt waren. In mühevoller Kleinarbeit durchforsteten sie die Gene, bis sie schließlich um das Jahr 2008 herum den Verursacher fanden: LRRK2 (gesprochen „Lark 2“). Mutationen dieses Gens sorgen dafür, dass der Stoffwechsel in Gehirnzellen fehlreguliert wird. Heute gilt LRRK2 als erfolgversprechende Ansatzstelle für Parkinson-Medikamente, die allerdings erst erprobt werden müssen.

LRRK2 ist eine sogenannte Kinase – ein Enzym, das andere Moleküle aktivieren oder deaktivieren kann. Eine der Aufgaben von LRRK2 ist es, die Lysosomen zu regulieren, die für den Abbau von Zellabfällen zuständig sind. Zum Problem wird das dann, wenn LRRK2 durch Mutationen im Gen gewissermaßen hyperaktiv wird: Dann blockiert es die Lysosomen und legt damit wichtige Transportprozesse in den Gehirnzellen lahm. In der Folge entstehen die für Parkinson typischen körperlichen Symptome. Deshalb lautet ein anderer Name für LRRK2 auch Dardarin – abgeleitet vom baskischen Wort dardara, das „Zittern“ bedeutet. 

Klinische Studien setzen auf ein Ausbremsen von LRRK2

Das Besondere an Parkinson ist die Heterogenität der Krankheit: Sie kann durch verschiedene Auslöser hervorgerufen werden, die jeweils einen anderen Verlauf zur Folge haben. Kennzeichnend für die LRRK2-Variante von Parkinson ist, dass sie vor allem bei den familiär bedingten Parkinson-Fällen auftritt. Deutlich seltener ist sie bei der sporadischen Parkinson-Form. Dazu muss man wissen, dass die familiäre Form des Parkinson nur rund zehn Prozent der Fälle ausmacht, 90 Prozent der Patienten haben die sporadische Form. Die Mechanismen allerdings, die im Körper wirken, sind nach bisherigen Erkenntnissen aus der Forschung ähnlich, so dass wahrscheinlich künftige Therapien, die bei einer LRRK2-Mutation ansetzen, bei einer relevanten Gruppe von Patientinnen und Patienten wirken.

Die Forschung arbeitet derzeit an sogenannten Kinase-Inhibitoren – Wirkstoffe sind das, die LRRK2 unterdrücken. Dadurch unterbinden sie die Hyperaktivität und stellen so das Gleichgewicht innerhalb der Nervenzellen wieder her. Noch sind solche Wirkstoffe nicht zugelassen, allerdings laufen derzeit klinische Studien. 

LRRK2-Mutationen lösen unterschiedliche Krankheitsbilder aus

Parkinson kann generell sehr unterschiedliche Symptome hervorrufen, vom bekannten Zittern bis zu einer Demenz. Zum LRRK2-Gen sind zahlreiche unterschiedliche Mutationen bekannt. Die Besonderheit dabei: Je nach dem, an welchem Abschnitt im Gen die Mutation auftritt, zeigen sich verschiedene Symptome – selbst innerhalb einer Familie, in der mehrere Mitglieder an Parkinson erkrankt sind, gibt es dabei Unterschiede in der Ausprägung: Jje nach Art der Mutation;ruft die Krankheit also unterschiedliche Pathologien hervor.

Dass es zu Entzündungsreaktionen kommt, ist ein besonderes Merkmal der LRRK2-Mutationen. Sie stehen im Verdacht, nicht nur im Gehirn Entzündungen – eine sogenannte Neuro-Inflammation – auszulösen, sondern auch hinter einer bestimmten chronischen Darm-Entzündung zu stehen. Auffällig ist auch ein weiterer Zusammenhang: LRRK2 spielt auch bei Nervenentzündungen außerhalb des Gehirns eine große Rolle. Und diese Entzündungen wiederum treten häufig bei Patienten mit der sporadischen Form von Parkinson auf. Das ist ein weiteres Indiz dafür, dass die LRRK2-Mutationen eine Schlüsselrolle bei der Erkrankung spielen.