Projektlaufzeit: 01.04.16 – 31.03.19

Projektförderung: Stiftung Wohlfahrtspflege NRW

Projektleitung: Dr. Bernhard Holle, MScN

Projektkoordinator: Steffen Heinrich, MSc.

Projektmitarbeiter: Christoph Cavazzini, M. A.

DESKK ist ein gemeinsames Projekt des Caritasverbands Paderborn e.V. und des DZNE Witten

Hintergrund

Die Mehrheit der Menschen mit Demenz wird in Deutschland von Angehörigen im häuslichen Umfeld versorgt und gepflegt. Die häusliche Pflege ist häufig mit hohen Belastungen bei pflegenden Angehörigen verbunden, wodurch eine instabile Pflegesituation entstehen kann, welche die häusliche Versorgung gefährdet. Ein Aufenthalt in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung kann zur Stabilisierung der häuslichen Pflegesituation beitragen und soll einem Übertritt von Menschen mit Demenz in die vollstationäre Pflegeeinrichtung entgegenwirken. Am häufigsten werden Kurzzeitpflegeeinrichtungen zur Schaffung von Erholungszeiten für den pflegenden Angehörigen oder zur Vorbereitung auf den Rücktransfer eines Menschen mit Demenz in die Häuslichkeit, z.B. bei der Nachsorge nach einem Krankenhausaufenthalt, in Anspruch genommen.

Das versorgungsspezifische Potenzial eines Kurzzeitpflegeaufenthaltes im Sinne der Identifizierung und Förderung von Ressourcen bei Menschen mit Demenz und ihren pflegenden Angehörigen bleibt häufig weitgehend ungenutzt. So werden beispielsweise Mobilitätsmaßnahmen für Menschen mit Demenz und die Beratung ihrer pflegenden Angehörigen oft wenig strukturiert und zielgerichtet umgesetzt. Es wird davon ausgegangen, dass Kurzzeitpflegeeinrichtungen bei entsprechender Konzeption des Versorgungsangebotes dazu beitragen können, das Portfolio bereits bestehender präventiv-rehabilitativ ausgerichteter Unterstützungsangebote für Menschen mit Demenz und ihre pflegenden Angehörigen zu erweitern.

Ziele des Projekts

Das primäre Projektziel besteht in der Entwicklung und Erprobung eines demenzspezifischen Kurzzeitpflegekonzeptes mit den Schwerpunkten Mobilität von Menschen mit Demenz und Beratung ihrer Angehörigen. Durch diese Schwerpunkte soll eine Mobilitätsverbesserung der Menschen mit Demenz und eine dauerhafte Belastungsreduktion ihrer pflegenden Angehörigen begünstigt werden. Das Kurzzeitpflegekonzept soll auf bestehende Strukturen der Kurzzeitpflegeeinrichtung aufbauen.

Vorgehen

Um das demenzspezifische Versorgungskonzept individuell auf die Situation eines Menschen mit Demenz und seines Angehörigen anpassen zu können, werden im Rahmen des Projektes praxistaugliche Erhebungsinstrumente, auf Grundlage zum Teil schon bestehender, wissenschaftlicher Assessments konzipiert, mittels derer die Mobilität, die Kognition und das herausfordernde Verhalten des Menschen mit Demenz sowie das subjektive Belastungsempfinden seines pflegenden Angehörigen und dessen Wissen über Demenz erhoben werden kann. Des Weiteren werden ein mobilitätsbasiertes Rehabilitationsprogramm für Menschen mit Demenz sowie ein demenzspezifisches Beratungsprogramm für pflegende Angehörige entwickelt. Bei beiden Programmen werden auf Basis der zuvor durch die entwickelten Erhebungsinstrumente erhobenen Informationen Interventionsbausteine (Beratungsmodule, Mobilitätsmaßnahmen) zusammengestellt, welche sich an den individuellen Bedarfen des jeweiligen Menschen mit Demenz/pflegenden Angehörigen orientieren. Im weiteren Verlauf werden Schulungsmanuale erstellt, mit deren Hilfe Mitarbeiter/innen von Kurzzeitpflegeeinrichtungen die Kompetenzen zur Durchführung des Kurzzeitpflegekonzepts vermittelt werden sollen. Das Kurzzeitpflegekonzept wird anschließend zehn Monate in der Kurzzeitpflegeeinrichtung Haus St. Antonius des Caritasverbands Paderborn e.V. erprobt und wissenschaftlich begleitet. Um erste Hinweise bezüglich der Akzeptanz und Umsetzbarkeit des Konzeptes zu gewinnen, werden pflegende Angehörige und Mitarbeiter/innen der Kurzzeitpflege Protokolle ausfüllen und zur Bewertung des Gesamtkonzeptes werden mit Mitarbeiter/innen halbstandardisierte Interviews durchgeführt. Es ist geplant 30 Dyaden, bestehend aus jeweils einem pflegenden Angehörigen und seinem pflegebedürftigen Menschen mit Demenz, in die Studie einzuschließen. Nach dem Verlassen der Kurzzeitpflegeeinrichtung sollen die Mobilitätsübungen in Form eines Hausaufgabenprogramms in der Häuslichkeit (ggf. unter Einbezug von Ergo- /Physiotherapeuten) eigenständig weitergeführt werden. Hierfür wird eine individuell angepasste Informationsbroschüre ausgearbeitet. Nach vier Wochen findet eine abschließende wissenschaftliche Erhebung in der Häuslichkeit statt. Ziel ist es, mit qualitativen und quantitativen Methoden die Praxistauglichkeit des Kurzzeitpflegekonzepts sowie dessen Akzeptanz und die Anwenderfreundlichkeit des Hausaufgabenprogramms zu evaluieren. Über den gesamten Studienverlauf soll ein Rahmenkonzept verfasst werden, welches die notwendigen Ressourcen für die Durchführung des Kurzzeitpflegekonzepts skizziert. Auf Basis der Projektergebnisse soll ein Manual erstellt werden, welches die Grundlagen des Kurzzeitpflegekonzeptes erläutert und es für die praktische Anwendung in anderen Kurzzeitpflegeeinrichtungen nutzbar macht.

Erwartete Ergebnisse

Die zu erwartenden Ergebnisse können Rückschlüsse zur Umsetzbarkeit und Akzeptanz von spezialisierten Rehabilitations- und Beratungsprogrammen im Setting der Kurzzeitpflege aufzeigen sowie über die für die Umsetzung notwendigen Rahmenbedingungen informieren. Durch den Einbezug von Mitarbeiter/innen der Kurzzeitpflege in die Projektevaluation wird sichergestellt, dass sich die Inhalte von DESKK auch an den Wünschen und Ressourcen der Pflegepraxis ausrichten. Das am Ende des Projektes publizierte Praxismanual kann dazu beitragen,  andere Kurzzeitpflegeeinrichtungen in Deutschland mit Bezug auf die Versorgung von Menschen von Demenz und ihrer pflegenden Angehörigen weiterzuentwickeln.

Kontakt

Steffen Heinrich
+49 23 02 - 926 262
steffen.heinrich(at)dzne.de