Projektübersicht

Projektlaufzeit: 2015 – 2017
Projektförderung: DZNE Witten
Projektleitung: JProf. Dr. Margareta Halek
Projektkoordinator: Dr. Martin Berwig
Projektmitarbeiterin: Claudia Dinand

Hintergrund

Die verhaltensbetonte Variante der frontotemporalen Demenz (Englisch: behavior variant FrontoTemporal Dementia, bvFTD) geht mit beeinträchtigten sozial-kognitiven Fähigkeiten einher. Daher ist es häufig schwierig mit Menschen mit bvFTD in Kontakt zu kommen. Die MarteMeo® Beratung (MMB) ist eine video-basierte Intervention und wurde ursprünglich zur Verbesserung der dyadischen Beziehungsqualität zwischen Kindern mit Autismus und ihren Eltern durch die Förderung der sensitiven Anpassung des elterlichen Kommunikationsverhaltens an die beeinträchtigten sozial-kognitiven Fähigkeiten ihrer Lieben entwickelt. Sie beruht auf der Annahme, dass eine gute und reziproke Beziehung Voraussetzung für die Entwicklung und Erhaltung sozialer kognitiver Fähigkeiten ist.

Ziele des Projekts

Im Bereich der Gerontopsychiatrie ist das Ziel der MMB nicht die Unterstützung von Entwicklung, sondern, auch hier basierend auf einer guten Beziehungsqualität, die Aktivierung von Funktionsressourcen und die Erhaltung des Selbst. In dieser Machbarkeitsstudie wird die MMB erstmals bei Menschen mit bvFTD und ihren Hauptbezugspersonen angewendet.

Ziel ist es, die Nützlichkeit von MMB für diese Population zu bewerten, eine optimales Format für die Intervention (z.B. Dosis und Intensität) zu bestimmen und mögliche Effekte zu untersuchen.

Vorgehensweise

Die Studie wendet einen quasi-experimentellen Eingruppen-Prä-Post-Versuchplan mit doppelter Prä-Messung und einem eingebetteten Mixed-Method Ansatz an. Fünf Dyaden werden in die Studie eingeschlossen. Zielgrößen sind die Feinfühligkeit der Hauptbezugspersonen, die Qualität der Beziehung zwischen der Hauptbezugsperson und der Person mit bvFTD, Lebensqualität und herausfordernde Verhaltensweisen des Menschen mit bvFTD. An drei Untersuchungszeitpunkten (T0, T1 nach zwei Wochen, und T2 nach sechs Wochen) wird ein Video der dyadischen Interaktion in einer Alltagssituation (Essenssituation) aufgenommen und die Datenerhebung durchgeführt. Es werden folgende Fragebögen zur Erfassung der Zielgrößen verwendet: Quality of Carer-Patient Relationship (QCPR), Neuropsychiatrisches Inventar (NPI), die Subskalen `positive´ und `negative Emotionen´ des QUALIDEM und Feinfühligkeitsindex (FFI). Der Zeitraum zwischen T0 und T1 dient als Kontrollzeitraum. Zwischen T1 und T2 erhalten die Hauptbezugspersonen fünf MMB - Sitzungen. Die Videosequenzen werden mit Hilfe der Videointeraktionsanalyse mikro-analysiert um die angenommen Wirkmechanismen der Intervention zu überprüfen. Die Varianz der Effekte wird bestimmt. Außerdem werden die erhobenen Prozessdaten genutzt, um den Nutzen und die Akzeptanz der Intervention zu evaluieren.

Erwartete Ergebnisse

Die erwarteten Ergebnisse liefern Indikationen zur Machbarkeit der Intervention und einer groß angelegten Hauptstudie bei der vorliegenden Population und werden als eigene Vorarbeiten für die Antragstellung zur Finanzierung einer solchen definitiven Studie verwendet.

Kontakt

Martin Berwig
+49 (0) 2302 / 926-232
martin.berwig(at)dzne.de