Portrait Harald Prüß

Dr. Harald Prüß

Gruppenleiter

Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)
c/o Charité – Universitätsmedizin Berlin
CharitéCrossOver
Charitéplatz 1
10117 Berlin

harald.pruess(at)dzne.de
+49 (0) 30 / 450-560399
+49 (0) 30 / 450-539916

Gruppenmitglieder

Name Telefon
Betty Jurek, Doktorandin +49 (0) 30 / 450 - 560407
Doreen Brandl, Technische Assistentin +49 (0) 30 / 450 - 560407
Weitere Gruppenmitglieder (Drittmittel-finanziert)
Nina Wenke, Doktorandin +49 (0) 30 / 450 - 560407
Jakob Kreye, Wissenschaftlicher Mitarbeiter +49 (0) 30 / 450 - 560407

Ausgewählte Publikationen

Red Flags: Clinical Signs for Identifying Autoimmune Encephalitis in Psychiatric Patients.

Herken J, Prüss H. Front Psychiatry. 2017 Feb 16;8:25. doi: 10.3389/fpsyt.2017.00025. eCollection 2017.

Evaluation of Cognitive Deficits and Structural Hippocampal Damage in Encephalitis With Leucine-Rich, Glioma-Inactivated 1 Antibodies.

Finke C**, Prüss H**, Heine J, Reuter S, Kopp UA, Wegner F, Then Bergh F, Koch S, Jansen O, Münte T, Deuschl G, Ruprecht K, Stöcker W, Wandinger KP, Paul F, Bartsch T. JAMA Neurol. 2017 Jan 1;74(1):50-59. doi: 10.1001/jamaneurol.2016.4226. **equal contribution

Human cerebrospinal fluid monoclonal N-methyl-D-aspartate receptor autoantibodies are sufficient for encephalitis pathogenesis.

Kreye J, Wenke NK, Chayka M, Leubner J, Murugan R, Maier N, Jurek B, Ly LT, Brandl D, Rost BR, Stumpf A, Schulz P, Radbruch H, Hauser AE, Pache F, Meisel A, Harms L, Paul F, Dirnagl U, Garner C, Schmitz D, Wardemann H, Prüss H. Brain. 2016 Oct;139(Pt 10):2641-2652.

A clinical approach to diagnosis of autoimmune encephalitis.

Graus F, Titulaer MJ, Balu R, Benseler S, Bien CG, Cellucci T, Cortese I, Dale RC, Gelfand JM, Geschwind M, Glaser CA, Honnorat J, Höftberger R, Iizuka T, Irani SR, Lancaster E, Leypoldt F, Prüss H, Rae-Grant A, Reindl M, Rosenfeld MR, Rostásy K, Saiz A, Venkatesan A, Vincent A, Wandinger KP, Waters P, Dalmau J. Lancet Neurol. 2016 Apr;15(4):391-404. doi: 10.1016/S1474-4422(15)00401-9.

Altered paired associative stimulation-induced plasticity in NMDAR encephalitis.

Volz MS, Finke C, Harms L, Jurek B, Paul F, Flöel A, Prüss H. Ann Clin Transl Neurol. 2016 Jan 16;3(2):101-13. 

Anti-NMDA Receptor Encephalitis in the Polar Bear (Ursus maritimus) Knut.

 Prüss H, Leubner J, Wenke NK, Czirják GÁ, Szentiks CA, Greenwood AD. Sci Rep. 2015 Aug 27;5:12805. doi: 10.1038/srep12805. 

Structural Hippocampal Damage Following Anti-N-Methyl-D-Aspartate Receptor Encephalitis.

Finke C, Kopp UA, Pajkert A, Behrens JR, Leypoldt F, Wuerfel JT, Ploner CJ, Prüss H**, Paul F**. Biol Psychiatry. 2016 May 1;79(9):727-34. doi: 10.1016/j.biopsych.2015.02.024. **equal contribution

High prevalence of NMDA receptor IgA/IgM antibodies in different dementia types.

Doss S, Wandinger KP, Hyman BT, Panzer JA, Synofzik M, Dickerson B, Mollenhauer B, Scherzer CR, Ivinson AJ, Finke C, Schöls L, Müller Vom Hagen J, Trenkwalder C, Jahn H, Höltje M, Biswal BB, Harms L, Ruprecht K, Buchert R, Höglinger GU, Oertel WH, Unger MM, Körtvélyessy P, Bittner D, Priller J, Spruth EJ, Paul F, Meisel A, Lynch DR, Dirnagl U, Endres M, Teegen B, Probst C, Komorowski L, Stöcker W, Dalmau J, Prüss H. Ann Clin Transl Neurol. 2014 Oct;1(10):822-32. doi: 10.1002/acn3.120.

High frequency of intrathecal immunoglobulin synthesis in epilepsy so far classified cryptogenic.

Kowski AB, Volz MS, Holtkamp M, Prüss H. Eur J Neurol. 2014 Mar;21(3):395-401. doi: 10.1111/ene.12261

Functional and structural brain changes in anti-N-methyl-D-aspartate receptor encephalitis.

Finke C, Kopp UA, Scheel M, Pech LM, Soemmer C, Schlichting J, Leypoldt F, Brandt AU, Wuerfel J, Probst C, Ploner CJ, Prüss H**, Paul F**. Ann Neurol. 2013 Aug;74(2):284-96. doi: 10.1002/ana.23932 **equal contribution

N-methyl-D-aspartate receptor antibodies in herpes simplex encephalitis.

Prüss H, Finke C, Höltje M, Hofmann J, Klingbeil C, Probst C, Borowski K, Ahnert-Hilger G, Harms L, Schwab JM, Ploner CJ, Komorowski L, Stoecker W, Dalmau J, Wandinger KP. Ann Neurol. 2012 Dec;72(6):902-11

Evidence of intrathecal immunoglobulin synthesis in stroke: a cohort study.

Prüss H, Iggena D, Baldinger T, Prinz V, Meisel A, Endres M, Dirnagl U, Schwab JM. Arch Neurol. 2012 Jun;69(6):714-7

IgA NMDA receptor antibodies are markers of synaptic immunity in slow cognitive impairment.

Prüss H, Höltje M, Maier N, Gomez A, Buchert R, Harms L, Ahnert-Hilger G, Schmitz D, Terborg C, Kopp U, Klingbeil C, Probst C, Kohler S, Schwab JM, Stoecker W, Dalmau J, Wandinger KP. Neurology. 2012 May 29;78(22):1743-53

Neurofascin as target of autoantibodies in Guillain-Barré syndrome.

Prüss H, Schwab JM, Derst C, Görtzen A, Veh RW. Brain. 2011 May;134(Pt 5):e173

Potassium channel expression in adult murine neural progenitor cells.

Prüss H, Dewes M, Derst C, Fernández-Klett F, Veh RW, Priller J. Neuroscience. 2011 Apr 28;180:19-29

Retrospective analysis of NMDA receptor antibodies in encephalitis of unknown origin.

Prüss H, Dalmau J, Harms L, Höltje M, Ahnert-Hilger G, Borowski K, Stoecker W, Wandinger KP. Neurology. 2010 Nov 9;75(19):1735-9 

Curriculum Vitae

Harald Prüß studierte Humanmedizin an der Charité Universitätsmedizin in Berlin, absolvierte das klinisch-praktische Jahr in der Schweiz, den USA und Großbritannien und promovierte am Institut für Molekulare Neuroanatomie der Charité (Summa cum laude, Humboldt-Preis). Er arbeitete von 2004 bis 2010 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung für Experimentelle Neurologie sowie als Assistenzarzt an der Neurologischen Klinik der Charité Berlin. Von 2010 bis 2011 forschte er als DAAD-Forschungsstipendiat in der Abteilung Immunologie/Pathologie der Harvard University in Boston. Nach der Habilitation 2011 kehrte er als Arbeitsgruppenleiter in die Abteilung für Experimentelle Neurologie der Charité zurück. Er schloss 2013 die Facharztausbildung für Neurologie ab und übt die Lehrbefugnis für Experimentelle Neurologie und Neurologie aus. Seit August 2013 leitet Harald Prüß die Arbeitsgruppe für Autoimmune Enzephalopathien am DZNE Berlin. In enger Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurologie der Charité führt er darüber hinaus als Oberarzt die Gedächtnissprechstunde sowie die Hochschulambulanz für Paraneoplastische Neurologische Erkrankungen und Autoimmune Hirnentzündungen. 


Forschungsschwerpunkte

In den letzten Jahren sind mehrere neue, durch Auto-Antikörper verursachte neurologische und psychiatrische Krankheiten, entdeckt worden. Das Spektrum reicht von akuten Enzephalitiden bis zu langsam fortschreitender Demenz. Unter verschiedenen Bedingungen kommt es zu einer immunologischen Fehlregulation mit der Bildung von Antikörpern gegen das eigene Hirngewebe, die zu Störungen der Hirnfunktion und zum Verlust von Nervenzellen führen. Symptome dieser Entzündung sind beispielsweise Störungen der Motorik und Wahrnehmung, verändertes Bewusstsein, Gedächtnisstörungen, Psychosen und Demenz.

Der Prototyp dieser neuen Krankheitsgruppe ist die so genannte NMDA-Rezeptor-Enzephalitis, verursacht durch Antikörper gegen Glutamatrezeptoren. Die zumeist jungen Patienten entwickeln eine schwere Hirnentzündung mit psychiatrischen Auffälligkeiten, epileptischen Anfällen und unkontrollierten Bewegungen. Viele dieser Patienten benötigen, aufgrund von reduzierter Atmung und vegetativen Störungen, eine Behandlung auf der Intensivstation. Trotz des schweren Verlaufs kann eine frühe und ausreichend "aggressive" Immuntherapie zu einer dramatischen Besserung führen, mit dem Erfolg, dass die meisten Patienten in Schule oder Beruf zurückkehren können.

Die Forschung der Arbeitsgruppe konzentriert sich auf die detaillierten Mechanismen, wie die Auto-Antikörper zu einer Störung der neuronalen Funktion führen. Hierfür werden einzelne Antikörper-produzierende Zellen aus dem Liquor betroffener Patienten isoliert und die jeweiligen Antikörper mittels molekularbiologischer Methoden rekombinant hergestellt. Diese Technik ermöglichte es erstmalig nachzuweisen, dass die Antikörper direkt pathogen sind und zu Veränderungen der synaptischen Übertragung führen. Dieses Verfahren wird nun auf andere krankheitsspezifische Antikörper angewandt, z.B. solche gegen AMPA-, GABA-, Glyzin-Rezeptoren, LGI1, GAD oder IgLON5. Damit lassen sich die schädigenden Effekte an Nervenzell-Kulturen morphologisch und elektrophysiologisch detailliert charakterisieren. Gleichzeitig sind die monoklonalen humanen Antikörper ein ideales Werkzeug für hochauflösende Mikroskopie neuronaler Rezeptoren und ein Angriffspunkt neuer Immuntherapien bei Patienten mit Psychosen und Demenzen.

Ein besonderer Fokus liegt auf Antikörpern, die bei Gedächtnisstörungen vorkommen. So konnten wir beispielsweise zeigen, dass NMDA-Rezeptor-Antikörper vom IgA-Isotyp langsam voranschreitende kognitive Veränderungen verursachen können, die an eine primäre neurodegenerative Erkrankung erinnern. Die Entfernung der Antikörper aus dem Blut der Patienten mittels Immuntherapie eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der Behandlung einer Untergruppe von Demenzen. Gegenstand der laufenden Forschung ist es, wie viele Autoantikörper am Prozess des synaptischen Umbaus bei Demenz beteiligt sind und gegen welche neuronalen Zielstrukturen sie sich richten.

Die experimentellen Ergebnisse ermöglichen neue Einblicke in die molekularen Grundlagen, die zur Schädigung von Nervenzellen führen. Dadurch ist es bereits jetzt in einem translationalen Ansatz möglich, solche Patienten zu identifizieren, die von einer Immuntherapie profitieren können.