Lebensqualität von Menschen mit Demenz stärken 

Projektlaufzeit: 1. April 2011 bis 30. September 2013 

Projektleitung: Dr. Margareta Halek
Projektkoordination: Dr. Margareta Halek

Projektmitarbeiter/innen:
Martin Dichter
Tina Quasdorf

Kooperationspartner:
Johanniter Seniorenhäuser GmbH

Abschlussbericht

 

 

Hintergrund
Dementia Care Mapping (DCM) ist eine komplexe Intervention zur Umsetzung von person-zentrierter Pflege in der stationären Altenpflege. Bisherige Studien zur Effektivität von DCM zeigen heterogene Ergebnisse bei der Förderung der Lebensqualität  und Reduktion von herausforderndem Verhalten von Menschen mit Demenz. Obwohl die DCM-Methode in der deutschen Altenpflege verbreitet ist, fehlen bisher Studien zur Effektivität in Deutschland. Ferner liegen auch keine Informationen zu fördernden und hemmenden Faktoren einer DCM Implementierung vor.

Ziele und Fragestellungen des Projektes
Das Projekt Leben-QD II untersucht die Effekte der Implementierung von DCM in Einrichtungen der stationären Altenpflege. Hieraus ergeben sich die folgenden Forschungsfragen:

  1. Zeigt die DCM-Implementierung positive Effekte bezüglich der Lebensqualität und des herausfordernden Verhaltens von Bewohnern mit Demenz?
  2. Zeigt die DCM Implementierung positive Effekte bezüglich der Einstellungen und Haltung von Pflegenden, sowie deren Arbeitszufriedenheit und Burnout?
  3. Inwieweit konnte die Intervention DCM in den teilnehmenden Einrichtungen implementiert werden?
  4. Welche fördernden und hemmenden Einflussfaktoren des Implementierungsprozesses lassen sich identifizieren?
  5. Welche Kosten entstehen im Rahmen der DCM Implementierung und wie hoch sind diese im Vergleich zu den beiden Vergleichsgruppen?

Vorgehen
Im Rahmen der quasi-experimentellen Studie (ISRCTN43916381) wurden 9 Wohnbereiche unterschiedlicher stationärer Altenpflegeeinrichtungen in drei Gruppen mit jeweils drei Wohnbereichen aufgeteilt. Die Gruppenzuteilung erfolgte vor dem Hintergrund der jeweiligen Motivation und der bisherigen Erfahrung in der Anwendung person-zentrierter Pflege der Wohnbereiche. Verantwortlich für die Gruppenzuteilung war der Träger der Altenpflegeeinrichtungen. Die drei Gruppen unterscheiden sich hinsichtlich der Interventionen wie folgt:

  • Interventionsgruppe A: DCM wurde hier bereits mind. 2 Jahre vor Projektstart angewendet und die Anwendung während der Projektlaufzeit intensiviert. Es wurde davon ausgegangen, dass in dieser Gruppe das DCM bereits zu Effekten geführt hat.
  • Interventionsgruppe B: DCM wurde hier im Rahmen der Studie neu eingeführt
  • Kontrollgruppe C: Hier erfolgte eine regelmäßige standardisierte LQ-Einschätzung der Bewohner mit Demenz die in die normale Versorgung integriert wurde

Das Design beinhaltet insgesamt 3 Datenerhebungszeitpunkte zu denen je nach Fragestellung unterschiedliche Daten erhoben werden:

  • Outcomes der DCM-Implementierung

    • Bewohnerbezogen: Lebensqualität (QoL-AD, Qualidem), Herausforderndes Verhalten (NPI-NH)
    • Mitarbeiterbezogen: Haltung und Einstellung in der Demenzversorgung (ADQ) Arbeitszufriedenheit, emotionale Erschöpfung (COPSOQ), Burnout (CBI)

  • Merkmale einer gelungenen Implementierung

    • Grad der Umsetzung der in der DCM-Methode enthaltenen Prozessschritte, 
    • Veränderungen in der Pflegedokumentation, 
    • demenzgerechtes Milieu, 
    • DCM Daten

  • Fördernde und hemmenden Einflussfaktoren der Implementierung 

    • Haltung und Einstellung zur Demenz vor der Implementierung, 
    • Interaktion im Team, 
    • Rollenverständnis im Rahmen der Implementierung, 
    • Einstellung gegenüber der Implementierung, 
    • Implementierungsprozess, 
    • Organisationsfaktoren

  • Kosten der DCM-Implementierung

    • Personal- und Sachkosten der DCM-Implementierung in Relation zu der Kontrollintervention (gesellschaftliche Perspektive)

Ergebnisse

  • Alle eingeschlossenen Wohnbereiche nahmen bis zum Schluss an der Studie teil und alle Bewohner mit Demenz (n = 234 insgesamt, 154 zu Beginn) wurden in die Datenanalyse eingeschlossen. In dem adjustierten gemischten linearen Modell zeigte sich insgesamt kein signifikanter Gruppen-Zeit-Effekt für die Qol-AD-proxy Werte. Auch für die sekundären Outcomes zeigte sich keine signifikante Veränderung.
  • Die Ergebnisse der Prozessevaluation weisen auf eine unzureichende Protokolltreue für einen Wohnbereich in den Gruppen A und B sowie alle 3 Wohnbereiche in Gruppe C hin.
  • Fördernde Faktoren der DCM Implementierung waren gut funktionierende Netzwerke, eine demenzfreundliche Einrichtungskultur, flexibele Organisationsstrukturen, eine positive Einstellung gegenüber der DCM-Methode, eine detallierte Interventionsplanung und Interventionsimplementierung, das Vorhandensein von „Champions“ die die Inerventionsumsetzung unterstützen sowie ein gut qualifizierter und erfahrener Koordinator zur Interventionsumsetzung.

Schlussfolgerungen
Es konnte keine Effektivität von DCM hinsichtlich der definierten Outcomes gezeigt werden. Die Studie liefert jedoch ausgehend von der Prozessevaluation wichtige Hinweise für die Adaption von DCM in zukünftigen Untersuchungen.

Finanzierung
DZNE Witten, Johanniter Seniorenhäuser GmbH und Stiftung Wohlfahrtspflege

Aktueller Stand des Projektes (Dezember 2014):
Datenanalyse und Publikation der Ergebnisse

Kontakt:
Martin N. Dichter 

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