Gedächtnisforschung per App

Magdeburg, 21. Februar 2019. Mit Hilfe einer kostenfreien App können nun auch wissenschaftliche Laien zur Erforschung des Gedächtnisses beitragen. Die App ist Teil des Bürgerforschungsprojekts „Gemeinsam Gedächtnis erforschen - welche Faktoren beeinflussen unsere Merkfähigkeit im Alltag“. Der wissenschaftliche Fokus liegt vor allem auf der Fragestellung, inwiefern sich Schlafqualität und grippale Infekte auf die Gedächtnisleistung auswirken. Das Projekt ist eine Kooperation des DZNE, des Instituts für Kognitive Neurologie und Demenzforschung (IKND) am Universitätsklinikum Magdeburg und der neotiv GmbH als Projektinitiator. Es bringt innovative digitale Methoden aus der Grundlagenforschung an die Bevölkerung.

Mit der App für Smartphones und Tablets (Android und iOS) können Teilnehmerinnen und Teilnehmer regelmäßig kognitive Tests und Gesundheitsfragebögen durchführen. Aus der Grundlagenforschung ist bekannt, dass sich Lebensstilveränderungen und gesundheitliche Faktoren auf unsere Gedächtnisleistung auswirken. Um diese Einflüsse besser verstehen zu können, müssen kognitive Funktionen über einen längeren Zeitraum beobachtet werden.

„Durch den Einsatz einfach zugänglicher und digitaler Anwendungen in der Forschung können ganz neue Fragestellungen angegangen werden“, sagt Prof. Emrah Düzel, Sprecher des DZNE-Standortes Magdeburg und Mitgründer von neotiv. „Forschung wird spielerisch in den Lebensalltag der Bevölkerung integriert und es können Informationen gewonnen werden, die vorher nicht zugänglich waren. So ist es beispielsweise schwer, die Auswirkungen einer Erkältung auf Kognition und Gedächtnis im klinischen Umfeld kontrolliert zu beobachten.“

Merken von Objekten

Von der App werden beispielsweise Bilder angezeigt und man wird aufgefordert, sich die Position der dargestellten Objekte zu merken. „Unsere Tests basieren auf neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung. Die App ist allerdings kein Instrument der Selbstdiagnose. Die App macht keine Aussagen über etwaige Gedächtnisprobleme“, betont Düzel.

Der innovative Ansatz des Projektes vereint auf einmalige Weise Grundlagenforschung, Erkenntnisse aus klinischen Studien und die Digitalisierung der Medizin. Er ermöglicht darüber hinaus die Interaktion mit Bürgerinnen und Bürgern. Darüber hinaus spielen auch Interessen der Nutzer und die Aufklärung und Sensibilisierung für Risikofaktoren der Alzheimer-Demenz, als eine der Volkskrankheiten unserer Zeit, eine wichtige Rolle. Das Projekt leistet einen Beitrag dazu, dass langfristig Methoden zur Vorsorge und Frühdiagnostik verbessert werden können.

Wöchentliche Tests

Nach Installation der App können Nutzer wöchentlich Gedächtnistests durchführen. Diese Tests stammen aus aktuellen Forschungsarbeiten, dauern ca. 10 Minuten und werden durch Gesundheitsfragebögen ergänzt. Alle Daten und Messwerte werden anonymisiert und nach neusten Datenschutzrichtlinien behandelt. Die Daten werden vom DZNE und dem IKND als wissenschaftliche Projektpartner ausgewertet.

Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt die Initiative bereits seit der ersten Pilotierung mit Petra Grimm-Benne, Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration, als Schirmherrin. Das Land fördert aktiv die neurowissenschaftliche Grundlagenforschung um eine Vorreiterrolle im Kampf gegen Alzheimer einzunehmen.

Foto der neotiv-APP

Abgebildet ist die neotiv-APP. Quelle: DZNE/Hellen Walther

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