Neurodegeneration in einer alternden Gesellschaft
Warum altern wir? Welche Faktoren sorgen dafür, dass wir „gesund“ altern, und was läuft „schief“ bei altersbedingten Krankheiten? Sind dieselben Prozesse für erfolgreiches Altern verantwortlich wie – bei deren Scheitern – für Krankheit? Die Alterung wurde lange als stochastischer Verfallsprozess betrachtet, der durch Umwelt- und andere schädliche Einflüsse verursacht wird. Dagegen hat die jüngste Forschung herausgearbeitet, welche Rolle komplexe genetische Merkmale bei der Bestimmung der Lebensspanne in verschiedenen Organismen spielen. Dies legt die Möglichkeit nahe, den Alterungsprozess zu steuern und die ungewollten Folgen einer langen Lebensspanne zu kontrollieren: altersbedingte Krankheiten. Im vergangenen Jahrhundert ging eine höhere Lebenserwartung stets mit einem Anstieg altersassoziierter Krankheiten einschließlich neurodegenerativer Störungen einher. Dies wird schon bald tiefgreifende wirtschaftliche und soziale Folgen haben, und es wird schon jetzt zur Last für die Gesundheitssysteme. Obwohl es als gesichert gilt, dass das Alter einen Risikofaktor für Neurodegeneration darstellt, sind paradoxerweise die zugrunde liegenden Mechanismen praktisch unbekannt.
Die DZNE-Wissenschaftler erforschen die Verbindung zwischen Alter und neurodegenerativen Erkrankungen. Es steht zu erwarten, dass die Studienergebnisse mehr Licht auf „gesundes und ungesundes Altern“ werfen und helfen werden, lebenslange Strategien zu entwickeln, um den Ausbruch neurodegenerativer Erkrankungen zu verhindern.
Während die Erforschung von Krankheitsmechanismen zu langfristigem gesellschaftlichen Nutzen einschließlich besserer Vorsorge und Behandlung führen wird, sind auch kurzfristige Verbesserungen absehbar. Die Schaffung eines nationalen Registers für neurodegenerative Erkrankungen in Deutschland wird bessere epidemiologische und demografische Studien ermöglichen, die Alter und altersbedingte Krankheiten in Beziehung setzen. In Zusammenarbeit mit akademischen Organisationen wie dem „Kompetenznetz Degenerative Demenzen“ (KNDD) und nicht-akademischen wie der „Alzheimer-Gesellschaft“ wird gerade eine Info-Hotline ins Leben gerufen, die einen Kontakt zu Experten (Wissenschaftler und Klinikärzte) eröffnet. Letztlich wird das Netzwerk aus Wissenschaftlern, Klinikern, Pflegeheimen und Familien in den kommenden Jahren zu einer verbesserten Gesundheitsversorgung führen.