DZNE-Standort Rostock / Greifswald

Zentrum für Nervenheilkunde Rostock
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Mit jedem Jahr, das wir leben, gewinnen wir drei Monate an Lebenserwartung hinzu. Gegenwärtig gibt es keinen Hinweis darauf, dass sich der Trend einer steigenden Lebenserwartung in näherer Zukunft umkehren wird. Zugleich sinkt die Zahl der Kinder, so dass der Altersdurchschnitt der deutschen Bevölkerung in den nächsten Jahren weiter deutlich steigen wird. Die Demenzerkrankungen sind mit dem Alter assoziiert, ihre Häufigkeit verdoppelt sich im Alter über 65 Jahre alle fünf Jahre. Die zunehmende Zahl älterer Personen in Deutschland wird zu einem dramatischen Anstieg der Patienten mit Demenzerkrankungen führen. Wir werden daher in den nächsten Jahren die Frage zu beantworten haben, wie wir gerade in den Regionen in Deutschland, die sehr stark von der demografischen Alterung betroffen sind, auch in Zukunft eine ausreichende medizinische, soziale und pflegerische Versorgung der älteren Personen mit Demenzerkrankung gewährleisten können. Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern ist ein sehr gutes Beispiel für die Konsequenzen der demografischen Alterung für unser Gesundheitssystem. Bereits heute sieht sich Mecklenburg-Vorpommern den demografischen Problemen gegenüber, die andere Regionen in Deutschland in den nächsten 20 bis 30 Jahren betreffen werden:

  • Rasch alternde Bevölkerung,
  • hohe Mobilität der arbeitenden Bevölkerung mit dadurch bedingter hoher Zahl von funktionellen Einpersonenhaushalten,
  • abnehmende Zahl von Haus- und Fachärzten,
  • lange Versorgungswege aufgrund einer geringen Bevölkerungsdichte.
Luftbild der Universitätsmedizin Greifswald
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Das DZNE arbeitet an seinem Standort Rostock/Greifswald wissenschaftlich eng mit den Universitäten, der Universitätsmedizin Rostock und der Universitätsmedizin Greifswald zusammen. Es gilt, Mecklenburg-Vorpommern als eine Modellregion für die Auswirkung des demografischen Wandels zu untersuchen, den demenzbedingten Bedarf an medizinischer und pflegerischer Versorgung zu erfassen und neue Versorgungsnetzwerke zu entwickeln, umzusetzen und auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen. Ziel eines solchen Versorgungsnetzwerkes ist es, die Lebenssituation der älteren Personen mit Demenz und ihrer Familien bereits heute in Mecklenburg-Vorpommern zu verbessern und hieraus Lösungen für die demografischen Probleme von morgen in anderen Regionen Deutschlands zu entwickeln.

Der Standort verfolgt dabei vier spezifische Ziele:

  • Erfassung des Bedarfs an pflegerischer und medizinischer Unterstützung sowie der tatsächlich vorhandenen medizinischen, sozialen, familiären und pflegerischen Ressourcen. Diese Erhebung erfolgt im Rahmen einer populationsbasierten Stichprobe im Land Mecklenburg-Vorpommern und stützt sich auf eine bestehende epidemiologische Infrastruktur, die bereits weite Bereiche der Bevölkerung unter gesundheitsbezogenen Fragestellungen untersucht hat.
  • Etablierung eines regionalen subsidiären Versorgungsnetzwerkes. Ziel dieses Netzwerkes ist es, vorhandene Ressourcen zu identifizieren und durch Kenntnis der tatsächlichen regionalen Bedarfssituation optimal aufeinander abzustimmen. Entsprechend dem subsidiären Ansatz würden neue Elemente wie zum Beispiel die Funktionalität eines ambulanten Betreuungsmanagers in ein solches Netzwerk neu eingefügt, wenn der Versorgungsbedarf auf der regionalen Ebene nicht ausreichend bewältigt werden kann.
  • Im Rahmen der prospektiven populationsbasierten Stichprobe soll die Wirksamkeit des subsidiären Versorgungsnetzwerkes im Vergleich zur bislang üblichen Versorgungsstruktur bezüglich klinischer Endpunkte sowie soziodemografischer und sozioökonomischer Endpunkte überprüft werden.
  • Wir bieten die Möglichkeit, neuartige diagnostische und therapeutische Ansätze in der Realsituation einer populationsbasierten Stichprobe in der Häuslichkeit auf ihre Praktikabilität und ihren klinischen Nutzen hin zu evaluieren. Dazu zählen zum einen bildgebende diagnostische Marker, Biomarker aus dem Bereich der Liquordiagnostik sowie potenzielle zukünftige Blutmarker, aber auch Grundlagenforschung zu pharmakologischen Therapien und deren Anwendung bei Patienten, psychosoziale Interventionen und medizintechnische Assistenzsysteme. Derzeit befinden sich eine Reihe von diagnostischen Markern und therapeutischen Ansätzen im Stadium klinischer Studien an einzelnen Zentren oder in multi-zentrischen Netzwerken ausgewählter klinischer Kollektive. Allerdings fehlt bisher die Information, welche Auswirkung neue diagnostische und therapeutische Ansätze tatsächlich auf die Lebensqualität und die Versorgungssituation einer breiten Bevölkerung haben können.

Zusammengefasst bietet damit der Standort Rostock/Greifswald im Kontext der Forschungsbemühungen des DZNE eine Brücke hinein in die Realsituation der Bevölkerung. Ziel des Standorts ist es, eine Plattform bereit zu stellen, über die neuartige Diagnose- und Therapieverfahren aus dem DZNE rasch auf ihre klinische Bedeutsamkeit und bevölkerungsbezogene Versorgungsrelevanz hin überprüft werden können und gleichzeitig die Bereitstellung von sinnvollen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen in der Breite der Bevölkerung beschleunigt wird. Wir tragen bereits heute dazu bei, die Lebenssituation älterer Personen mit Demenz und ihrer Familie im Lande Mecklenburg-Vorpommern zu verbessern, und daraus Erkenntnisse gewinnen, die auch für andere demografische Problemregionen in Deutschland in naher bis mittlerer Zukunft bedeutsam sein werden.

Kontakt und Anfahrt zum DZNE-Standort Rostock

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